Festzelte im Allgäu
Special Festzelte im Allgäu SPECIAL

Selbstversuch
Mittendrin: AZ-Reporter Peter Januschke lernt beim Bedienen auf der Allgäuer Festwoche, worauf es ankommt

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So über den Schellen-König gelobt wie an diesem Festwochenabend wurde ich ewig nicht mehr. Ein Schulterklopfer nach dem anderen. Warum habe ich bloß den Eindruck, dass dies bedeutet: Na, ja, für ein Büro-Bürscherl schlägt er sich als Kellner gar nicht sooo schlecht.

Und das hat nur bedingt mit der Klischeefrage zu tun, wie viele Masskrüge kann er denn auf einmal stemmen. Acht waren es, einer der Profis bringt stolz 14 zusammen. Zum Kellnern gehört viel, viel mehr. Zuallererst: Jedem Festzeltbesucher immer das Gefühl zu geben, freundlich für sie da zu sein. Immer.

Dann: Im Laufschritt zwischen Tischen und Ausschank oder Essensausgabe hin und her. Sieben Stunden lang. Nach zwei Stunden läuft mir als Laien-Kellner der Schweiss den Körper runter, am Ende bin ich fertig. Irmgard ist seit 17 Jahren dabei und hat dazu einen flotten Spruch auf Lager. "Lächeln, auch wenn´s weh tut."

Irmgard, Ingrid und Toni sind ein eingespieltes Team. Ingrid und Toni bedienen sogar schon 21 Jahre auf der Festwoche. Alle Bedienungen und Kellner sind Freischaffende. Das heißt: Sie kaufen anfangs für 2.000 Euro aus der Privatkasse Biermarken und Essensbons.

Von jeder Mass Bier, von jedem Gockel bleiben etwa neun Prozent des Speisekarten-Preises hängen. Und das Trinkgeld. Das ist ein ganz spezielles Thema. Ein junger Bursche zahlt für fünf Freunde mit und rundet doch glatt die Rechnung nur um ein Zehnerl auf. Die meisten sind generöser. Beim Bierpreis von 8,30 Euro legen sie neun Euro auf den Tisch.

Irmgard, Ingrid und Toni sind für 21 Tische zuständig. Theoretisch also für 170 Gäste. Auf die Plätze, fertig, los. Es drei Frauen auf einmal recht zu machen, ist nicht einfach. Die eine schickt mich mit acht Biermarken zur Schänke. Ich spurte los, da tönt es trotz Blasmusik und Feierlärm unüberhörbar: "Stopp." Nie mit leeren Händen losziehen, lerne ich von der anderen. Will heißen: Grundsätzlich die leeren Masskrüge mitnehmen zur Spüle.

Um acht Masskrüge heil zu den Tischen zurück zu bringen, braucht es nicht nur Muskelkraft. Es braucht Platz. "Geh´ immer durch den Gang, in der die wenigsten Gäste stehen", rät Toni. Noch wichtiger ist, auf Hax’n zu achten. Damit sind keine gegrillten Schweinshax’n gemeint, sondern die hunderte Beine, die sitzende Gäste in die Gänge hineinragen lassen. Stolpersteine zuhauf. Dem normalen Festwochenbesucher fällt das gar nicht auf, für Bedienungen ist es ein Graus.

Kaum zurück, muss ich mit zur Essenausgabe. Mann o Mann, was nicht alles auf einen Schlitten (so heißt das Essenstablett im Gastro-Jargon) drauf passt. Auf dem Bestellzettel stehen: 5 GO (Gockel), 2 SB (Schweinbraten), 1 FK (Fleischküchle), 3;mit (Hax´n mit Knödel). Mit der einen Hand wird der Schlitten auf die Schulter gestemmt, mit der anderen ausbalanciert, damit keine Soße überschwappt. Zur eigenen Überraschung: Geht doch.

Eins weiß ich nach ein paar Stunden definitiv: Der für den nächsten Tag geplante Zehn-Kilometer-Lauf fällt aus. Ausdauer- und Krafttraining habe ich heute erledigt. Und noch eines wird überdeutlich: Als Kellner lebst du zwar vom Feiern, bekommst aber die gute Laune bei all dem Stress nur wie im Film mit.

"Lächeln, auch wenn´s weh tut" trifft noch auf etwas anderes zu. Wie blöd konnte ich nur sein, zur Lederhose die traditionellen Haferlschuh´ anzuziehen. Nach einer halben Stunde fangen die Füße an zu schmerzen und anzuschwellen. Jetzt weiß ich, warum alle Bedienungen in bequemen Latschen rumlaufen. Toni hat den passenden Spruch parat: "Es hilft ja nichts..."

Live-Infos von der Festwoche finden Sie unter: www.facebook.com/meinefestwoche

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