Wiggensbach
Mit zwei Stöcken über Stock und Stein

Am Sonntag steht der 6. Nordic Walking Trail in Wiggensbach an. Wieder werden etwa 500 Teilnehmer erwartet, die mit ihren Stöcken um den Blender laufen. AZ-Reporterin Stefanie Roth (25) machte sich in Wiggensbach auf den Weg und versuchte mit den Trainern des TSV Wiggensbach Peter Rietzler (55) und Petra Zeller (33) mitzuhalten.

Nordic Walking wird häufig als Sportart für ältere Frauen abgestempelt und gilt als rückläufig. Trotzdem sehe ich nahezu täglich Frauen und Männer, die mit ihren Stöcken durchs Allgäu walken. «Das bekomme ich auch hin», denke ich mir und nehme die Herausforderung an, mit den Trainern des TSV Wiggensbach - Peter Rietzler und seiner verheirateten Tochter Petra Zeller - um den Blender zu gehen.

«Wo hosch deine Stöck?», kommt Rietzler nach der Begrüßung sofort auf den Punkt. Tja, die liegen noch unangetastet im Auto und warten auf ihren Einsatz. Als ich dann endlich die Schlaufen um meine Handgelenke habe, gehts auch schon los. «Einfach mal die Stöcke hängen lassen und normal gehen», weist mich Petra ein. Bis dahin ist alles noch klar.

«Jetzt umschließt du beim nach vorne schwingen die Stöcke mit deinen Händen und beim nach hinten schwingen lässt du sie wieder los», erklärt sie weiter. Na gut, ich schwinge also. Meine Oberarme bewegen sich mit im Rhythmus. Die Stöcke reichen nur bis zum Bauchnabel - eine Neuerung, die erst kürzlich entdeckt wurde. Früher waren sie länger. Dementsprechend schwieriger war es, sie einzusetzen. «Die Stöcke sind kürzer geworden», so Rietzler. «Dadurch werden die Oberarme mehr bewegt.»

Ein paar Minuten später komme ich allmählich in den Rhythmus und plappere mit meinen Trainern über den Sport. Reden geht ganz gut nebenher. Aber - Moment mal. Ist das der Grund, warum so viele Frauen walken und nicht joggen? Petra lacht. «In unseren Gruppen wird grundsätzlich viel getrastcht», sagt sie. «Macht ja auch Spaß, mit anderen unterwegs zu sein, und so vor sich hin zu quatschen.»

Auch Männer tratschen viel

Ich schaue rüber zu meinem männlichen Begleiter. Und das andere Geschlecht? «Ja, die Männer, die dabei sind, reden natürlich auch viel», gibt der Forstwirt zu. Da bin ich ja beruhigt. «Ich bin gar nicht aus der Puste», geht mir durch den Kopf. Schön. Endlich mal ein Sport, der zur Erholung dient.

Jede Woche sind Vater und Tochter mindestens ein Mal mit einer Gruppe von 20 Sportlern unterwegs. Zum Nordic Walking am Sonntag werden 500 Sportler erwartet. In Kempten bieten sechs Vereine Nordic Walking an. Dazu kommen die Gruppen aus den umliegenden Vereinen. Ich denke mir: Dann ist die Sportart doch gar nicht rückläufig! «Stimmt», sagt Petra. «Es kommen jeden Sommer Neue in unsere Gruppe.

» Am Sonntag würden sogar viele Kinder beim Trail mitmachen. «Die sind kaum zu bremsen und laufen wie wild vorne weg», erzählt die Wiggensbacherin.

Inzwischen sind wir über Stock und Stein sowie über Teerstraßen gelaufen. Plötzlich rutscht mein Stock weg. «Komisch. Warum ist das so?», frage ich in die Runde. «Das kommt daher, weil du nicht genügend Druck auf die Stöcke bringst», erklärt Petra. «Du musst dich mehr aufstützen und natürlich auch die Oberarm-Muskeln ein bisschen mehr anstrengen.»

Das hat gesessen. Ich soll mich also anstrengen: Nordic Walking ist wohl doch nicht nur zum Tratschen und zur Erholung gut

Der 6. Nordic Walking Trail verläuft um den Blender in Wiggensbach. Drei Strecken werden am Sonntag angeboten: 15, 9 und 4 Kilometer. Gestartet wird ab 16 Uhr am Marktplatz.

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