Kaufbeuren
Mit Verrücktheit Werte vermitteln

Die Geburtstagsüberraschung, die Verleihung des Kaufbeurer Kulturpreises, kam zwar nicht mehr ganz so unvermittelt. Aber dennoch war die Feier zum zehnjährigen Bestehen der Jugendkulturinitiative Artistica Anam Cara im Corona-Kinoplex eine erfrischende und unverkrampfte Angelegenheit.

Das lag schon allein am Publikum. Zwar hatten auch die vielen jungen Gaukler im Kinosaal ihre mittelalterlichen Gewänder gegen feinen Zwirn vertauscht. Aber die Stimmung hatte so gar nichts von der vornehmen Zurückhaltung, die gerade Kulturpreis-Verleihungen meist zu eigen ist. Als etwa beim einleitenden Auftritt des «Golden Trio» die Musik vom Band nicht gestartet werden konnte, setzte sich spontan eine Pianistin aus den Anam-Cara-Reihen ans Klavier und begleitete die beeindruckende Vorstellung der Gleichgewichtskünstler.

Anam-Cara-Vorsitzender Christian «Sadi» Scheidl, der sich zur Feier des Tages in einen für ihn ganz ungewohnten schwarzen Anzug gezwängt hatte, blickte auf die Geschichte der Vereinigung zurück. Begonnen habe alles eigentlich schon vor 18 Jahren, als sich in der Pfarrgemeinde St.

Ulrich eine Gauklertruppe zusammenfand. Acht Jahre später, im Jahr 2000, gründeten sieben Mitglieder den Verein «und dann ging es Schlag auf Schlag», so Scheidl. Momentan zähle Artistica Anam Cara über 100 aktive Mitglieder. Die Auftritte der vornehmlich jungen Gaukler und Artisten seien inzwischen fester Bestandteil des Tänzelfestes und vieler weiterer historischer Feste bis hin zu dem in der ungarischen Partnerstadt Szombathely oder auch von «Aufbruch-Umbruch». Hinzu kamen Fernsehauftritte, große Shows wie zuletzt beim «Parktetereté» und die Organisation der «Allgäuer Artistic Convention», zu der hochrangige Artisten nach Kaufbeuren kommen.

Das Wichtigste sei jedoch, dass Kinder und Jugendliche bei Anam Cara lernen, ihre Talente zu entwickeln, Verantwortung zu übernehmen, Toleranz zu üben - «und das alles ohne Leistungsdruck». «Es ist Wahnsinn, was sich mit Euch entwickelt hat», so Scheidl. Ein professionell gemachter Film mit Bildern aus zehn Jahren Anam-Cara-Geschichte illustrierte anschließend das Gesagte.

Oberbürgermeister Stefan Bosse hatte neben der Urkunde zur Verleihung des Kulturpreises in Form des Jugendkulturpreises (siehe Info-Kasten) noch ein weiteres Geschenk für die Gaukler und Artisten mitgebracht: Seine Laudatio wurde unterbrochen vom Auftritt des Duos «Extra-Art». Die Artisten Bernd Schwarte und Fabian Flender boten eine humorvolle Mischung aus hochkarätiger Artistik und Jonglage sowie Clownerie und Pantomime.

Die positive Verrücktheit von Anam Cara «tut der Stadt gut», so Bosse. Denn Illusionen, Träume und künstlerische Leidenschaft hielten «die Wiege der Kultur am Schaukeln». Bei Artistica Anam Cara herrsche zudem eine vertrauensvolle Atmosphäre, in der Kindern und Jugendlichen Werte und Geborgenheit vermittelt würden: «Keiner geht verloren. Wenn einer aus der Rolle fällt, bekommt er eine andere», lobte der OB.

Dafür, dass die Laudatio Bosses und die Dankesworte Scheidls nicht zu offiziell wurden, sorgte dann die Bauchrednerpuppe «Paulfred», das Maskottchen von Anam Cara.

Die fragte nämlich ganz respektlos, warum man eigentlich einen Preis bekomme, «wenn man den Leuten die ganze Zeit etwas vorgaukelt», bevor sich Ausgezeichnete und Gäste der riesigen Geburtstagstorte und dem Büfett im Foyer des Kinos widmeten.

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