Sonthofen
Mit Tempo 50 über die Piste

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Tempo 30 ist für sie kein Thema. Interessant wird es bei 50 oder 60 Stundenkilometern. Einträge in Flensburg gibt es trotzdem nicht, denn die punkteverdächtigen Geschwindigkeiten entstehen auf der Rodelbahn. Und nicht mit irgendeinem Schlitten. Für die 13 Teilnehmer der (freiwilligen) Rennrodel-AG an der Albert-Schweitzer-Schule in Sonthofen sind die rasanten Abfahrten inzwischen normal. Wenns gut läuft, sausen die Schüler der fünften bis neunten Jahrgangsstufe die 250 Meter lange Naturbahn in Westerhofen binnen 30 Sekunden hinunter.

Sicherheit ist ganz wichtig

Dem Laien sträuben sich bei solchen Zahlen die Haare. Lehrer Hans-Peter Keim (58) bleibt gelassen. Aber er betont: «Der größte Wert wird auf Sicherheit gelegt.» Das beginnt beim Helm und endet bei dem großzügigen Auslauf der Bahn. Keim, ausgebildeter Übungsleiter für Rennrodeln, ist stolz auf die Schulrodelbahn bei Bauer Michael Bietsch in Westerhofen. Seit 1991 dürfen die Kinder dort jeden Winter herunterrutschen, präpariert wird die Bahn mit dem schuleigenen Skidoo. Sobald Neuschnee gefallen ist, setzt sich Keim auf das Schneemobil und walzt die Piste. «Fest, fast eisig» sei ideal, denn «wir wollen ja schnell sein».

Die extra flachen Holzschlitten mit Stahlkufen sind dafür bestens geeignet, denn sie werden nicht mit den bremsenden Füßen, sondern nur durch Zug am Lenkriemen, Unterschenkeldruck und Gewichtsverlagerung gelenkt. Und das hat wiederum einen hübschen lernpsychologischen (Neben-)Effekt: In einer Rechtskurve greift die linke Hand an den rechten Lenkriemen und umgekehrt. Die Bewegungen sind laut Keim «körpermitteübergreifend» und verknüpfen die rechte und die linke Gehirnhälfte. «Das ist gut für die geistige Entwicklung.» Aber auch der pädagogische Nutzen sei nicht zu verachten, sagt Keim, der selber schon einige Rennen gefahren ist. Denn die elf- bis 15-jährigen Schülerinnen und Schüler sind nach Alter und Geschlecht in Teams aufgeteilt. Das fördert den Mannschaftsgeist: Die Schlitten müssen präpariert werden.

Die Schüler sprechen sich gegenseitig Mut zu oder helfen einander bei der Brillenpflege. Teamfähigkeit wirkt sich zudem positiv auf die Ergebnisse aus, wenn die Schüler an Wettkämpfen teilnehmen. Wie etwa am Bezirksentscheid für Schwaben, der am Nebelhorn stattfand. Die «Albert-Schweitzer-Schüler» belegten in den Wettkampfklassen «Mädchen III» Platz fünf, «Jungen IV» den dritten und «Jungen III» den ersten Rang, der zur Teilnahme am Landesentscheid im Eiskanal am Königssee berechtigt. Der sportliche Aspekt kommt ebenfalls nicht zu kurz. Die Kinder, so der Lehrer, sind ständig in Bewegung und erhalten eine gewisse Grundkondition. Regelmäßig läuft eine Gruppe von der Schule nach Westerhofen und hat damit gleich ihr Aufwärmtraining absolviert. Den liftlosen Rodelhang gilt es nach jeder «Schussfahrt» wieder hinaufzusteigen, manchmal, verrät Keim, gebe es zur Belohnung ein paar Gummibärchen.

Trainiert werden aber auch - wegen der liegenden Position - Hals- und Rumpfmuskulatur sowie Oberschenkel und Arme.

Als Ausrüstung reichen wetterfeste Kleidung und feste Bergschuhe mit Griffsohle. Handschuhe, Skibrille und Helm sind Pflicht. Was die Kinder nicht selber haben, bekommen sie von der Schule gelie-hen. Der Förderverein hat nicht nur den Skidoo spendiert, mit dem auch die Langlaufloipe vor der Schule präpariert wird, sondern in diesem Winter auch neue Helme. Die Schlitten gehören der Schule, schon seit 20 Jahren: «Die sind unverwüstlich», sagt Keim.

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