Hausen
Mit Puppe «Lukas» aufs Treppchen

«Eins, zwei, drei», zählt Tobias Rogg aus Hausen die Sekunden ab, nachdem der Modellfallschirmspringer «Lukas» in rund 350 Metern Höhe vom Flugzeug ausgeklinkt wurde. «Lukas» muss sich etwa drei Sekunden im freien Fall befinden und eine Geschwindigkeiten von 90 bis 100 Stundenkilometer erreichen - dann erst kann Tobias einen Hebel, der den Schirm öffnet, betätigen und beginnen, seine Puppe mit der Fernsteuerung in den Zielkreis zu lenken.

Am vergangenen Wochenende holte der Achtjährige den ersten Platz in seiner Altersklasse, bis 16 Jahre, bei der «European Para Trophy (EPT) 2009» und ist somit Modellfallschirm Junioren Europameister. In der Gesamtwertung, mit den Erwachsenen, schaffte er es bei der EPT auf den 16. Platz.

Den Europameister-Titel erhielt Tobias bei den 28. Deutschen Meisterschaften im Modellfallschirmspringen in Heringen (Werra), bei der er den zweiten Platz in seiner Klasse erreichte. In der Gesamtwertung holte er sich in der osthessischen Stadt den 13. Platz unter insgesamt über 50 Teilnehmern.

«Schwere Bedingungen»

«Extrem schwere Bedingungen herrschten an diesem Wochenende wegen starkem Hangaufwind, sodass es ein Drittel der Teilnehmer nicht einmal in den Zielkreis geschafft haben», erzählt Tobias Vater Michael Rogg. Er steuert das Modellflugzeug, an dessen Unterseite der Springer hängt, und bringt es auf die richtige Höhe und Position.

Im Alter von drei Jahren kam Tobias durch seinen Vater zu dem außergewöhnlichen Sport. «Ein Geschicklichkeitswettbewerb in drei Dimensionen», beschreibt Michael Rogg das Hobby. Er baut und fliegt auch selbst Modellfallschirme. Vater und Sohn sind beide Mitglieder im Ettringer Modell Flug Club (MFC). Dort trainieren sie zweimal in der Woche, wenn es das Wetter und die Zeit zulassen.

Bis 1,70 Meter Spannweite

«Mein Papa packt den Fallschirm und gibt mir Tipps bei viel Wind», erklärt der junge Europameister. Die Springer sind ungefähr 55 Zentimeter groß und dürfen nicht schwerer als 1,7 Kilogramm sein. «Die Arme und Beine der Figuren, die aus Glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) oder Holz sind, sind beweglich», erzählt Michael Rogg. Die Schirme haben im Maßstab 1:50 eine Spannweite von 1,50 bis 1,70 Meter und werden wie auch die Springer vom Bastler in Handarbeit hergestellt. Diese werden dann auch wie echte Fallschirme über Seile manövriert - nur eben durch die Technik in der Puppe, die die Arme per Fernsteuerung bewegt.

Dabei gebe es Unterschiede zwischen Tobias Jugendpuppe «Lukas» und der Erwachsenenpuppe «Henry» im Steuerverhalten. «,Henry reagiert genauer und ist somit auch schwieriger zu steuern», fährt der Vater fort. Der Achtjährige fliegt aber schon mit beiden Puppen, die wie echte Springer auch einen Hilfsschirm, Helm und Gurtzeug haben.

«Der Zielkreis hat einen Radius von fünf Metern. Und die richtige Landung - mit den Füßen zuerst - fließt auch in die Jurybewertung mit ein», erklären Vater und Sohn. Von sechs Versuchen wird der Schlechteste, der am weitesten weg ist, gestrichen.

Sehr hohes Niveau

«Für die EPT muss sich keiner qualifizieren - wer an der Wertung teilnimmt, muss an drei Wettbewerben im Inland und einem im Ausland antreten. Wir waren in Mlada Boleslav in Tschechien», so Michael Rogg. Das Niveau dort sei sehr hoch gewesen. Eine Pause ist den beiden begeisterten Modellfallschirmbauern und -fliegern nicht gegönnt. Diesen Monat beginnt schon die neue Saison für die EPT 2010.

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