Marktoberdorf
Mit positivem Denken und Disziplin ins biblische Alter

Die Genießerin sitzt und schweigt. Frieda Haisermann blickt zufrieden in die Runde, lächelt und nippt nochmal an ihrem Orangensaft. Mit 102 Jahren kann man es sich auch erlauben, es einmal etwas ruhiger angehen zu lassen. Gestern feierte die gebürtige Marktoberdorferin im Garten des Gulielminetti-Heims im Kreis ihrer Familie ihren Geburtstag. Damit ist sie die drittälteste Bürgerin der Stadt und eine von fünf Marktoberdorferinnen über 100 Jahre.

Ganz ruhig blieb es bei der Feier aber doch nicht. Marktoberdorfs Bürgermeister Werner Himmer überreichte der Jubilarin, die seit zwölf Jahren im Gulielminetti-Heim wohnt, ein Geschenk der Stadt und überbrachte die Glückwünsche von Bundespräsident Horst Köhler. Ein Chor, bunt gemischt aus Frieda Haisermanns Angehörigen, dem Bürgermeister und vielen Heimbewohnern, sang ihr ein eigens gedichtetes Ständchen. Das Geburtstagskind sang zaghaft, klopfte aber umso kräftiger mit. «Ich wollte schon immer so alt werden», meint Haisermann, die lange Zeit kaufmännische Leiterin des Marktoberdorfer Krankenhauses war. Bis zu ihrem 90. Lebensjahr lebte sie selbstständig. «Sie war schon immer ein strebsamer und aktiver Mensch, der sein Leben mit Disziplin im Griff hatte», erzählt ihr Neffe Norbert Haisermann.

Man sei einfach gern bei ihr, weil sie immer etwas Interessantes zu erzählen habe. Vor allem von ihren Reisen habe sie immer etwas zu berichten gehabt. «Die Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn hat sie besonders beeindruckt. Da war sie mit über 80 Jahren die Älteste an Bord», erinnert sich ihr Neffe Rolf Meffert. Wladiwostok, Lourdes und Ägypten waren nur einige der Ziele der reiselustigen Dame. Und mit 87 Jahren erklomm sie sogar noch den Falkenberg.

Heimleiterin Renate Dauner: «Eine starke Frau»

Auch Heimleiterin Renate Dauner spricht nur gut über das Geburtstagskind: «Sie ist ein Mensch, an den ich mich mein Leben lang erinnern werde. Eine starke Frau.» Sie habe trotz Krieg und Not einfach immer positiv gedacht, ergänzt Meffert. «Nur deshalb ist sie so alt geworden.

» Frieda Haisermann lässt sich unterdessen ihren Kuchen schmecken. Als sie jemand fragt, ob sie sich gut fühle, antwortet sie nur mit einem vielsagenden Lächeln auf den Lippen. Und Bürgermeister Himmers Vorschlag, auch im nächsten Jahr wiederzukommen, bejaht sie wie selbstverständlich.

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