Stadtmarketing
Mit Pilgern ist kaum Geld zu verdienen

Die Klosterschwester Crescentia war in ihrer Zeit eine berühmte Beraterin in persönlichen, geistlichen, wirtschaftlichen und politischen Belangen. Es wäre sehr interessant, zu erfahren, was sie den heutigen Stadtoberen empfehlen würde, die stets daran arbeiten, Kaufbeuren voranzubringen.

Helfen sollte dabei auch Crescentia selbst. Schließlich wurde sie schon immer von den Menschen verehrt. Seit 2001 ist sie auch offiziell eine Heilige. Doch allen Versuchen zum Trotz lässt sich die einstige Weberstochter einfach nicht vermarkten. Daran änderte auch eine eigens geschaffene Stelle für eine Pilgerbeauftragte nichts. Evelyn Track, die diesen Posten vor drei Jahren antrat, warf nun selbst das Handtuch. Sie kündigte und kehrt ins Regionalmarketing ihrer Heimatstadt Günzburg zurück.

Eine Nachfolgerin wird es nicht geben. Denn «möglicherweise steckt sehr wenig Potenzial in dem Thema», sagt ein ernüchterter Oberbürgermeister Stefan Bosse. Seit der Heiligsprechung Crescentias versuchten Stadt und Verkehrsverein - heute nennt er sich Tourismus- und Stadtmarketing -, davon zu profitieren. Auftrieb gaben dafür die Pilgerzahlen 2001 und 2002 (siehe Grafik). Doch das ganz große Interesse an der ersten deutschen Heiligen des dritten Jahrtausends flaute bald wieder ab.

Daran änderte auch die im Herbst 2007 geschaffene Stelle einer Pilgerbeauftragten nichts. Sie war zunächst auf zwei Jahre befristet und wurde 2009 um nochmals zwei Jahre verlängert. Schon damals gab es kritische Stimmen, ob der Wirksamkeit. Nun hat Evelyn Track von sich aus gekündigt - ausgerechnet kurz vor dem «Glaubensfest 2011». Im nächsten Jahr feiert das Crescentiakloster nämlich sein 750-jähriges Bestehen und den zehnten Gedenktag der Heiligsprechung seiner einstigen Oberin. Die Vorbereitungen dafür laufen bereits seit Längerem. Die Aufgaben Tracks übernimmt nun Stadtmarketing-Geschäftsführer Rainer Hesse.

Meist nur Tagesgäste

Neu besetzt wird die Stelle nicht mehr. Denn zu einem Massenwallfahrtsort wird Kaufbeuren nicht mehr werden. Und, so formuliert es Bosse, «die Pilger, die kommen, tragen nicht zur Wertschöpfung bei». Denn meist sind es Tagesgäste, die sich besinnen und beten wollen, eventuell noch die Ruhe des Klostergartens genießen und abends wieder heimfahren. Viele bringen sogar ihre eigene Brotzeit mit, kehren in Kaufbeuren also nicht mal ein.

Ein «Identitätsmerkmal»

Bosse sieht es nun nicht mehr als gerechtfertigt an, Steuergelder für eine eigene Pilgerbeauftragte auszugeben. Aber: «Crescentia gehört zu Kaufbeuren, sie ist ein Identitätsmerkmal und wir werden zusammen mit dem Kloster weiter Angebote entwickeln.»

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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