Kempten
«Mit Parteibuch allein kommt man an Junge nicht ran»

Am Skateplatz ist richtig was los an diesem Nachmittag. Hin und her rollen die Jungs auf ihren Brettern. Hallo - geht hier irgendjemand zum Wählen in gut einer Woche? «Klar, ich», ruft einer aus der Gruppe. Alex heißt er - und das Kreuzchen machen bei der Bundestagswahl, meint der 19-Jährige, ist doch selbstverständlich. Weil man sonst ja gar nicht mitentscheiden kann. Sehen seine Freunde das auch alle so? «Naja», sagt Alex, «eigentlich nicht. Die meisten, die ich kenn, interessieren sich gar nicht für Politik.» Die Statistik gibt dem jungen Kemptener recht: Seit Jahren sinkt in Bayern die Wahlbeteiligung bei den 18- bis 21-Jährigen. Wählten 1972 noch über 82 Prozent von ihnen, waren es 2005 nur noch etwa 69 Prozent. Aber warum ist das so - und was kann man dagegen tun?

Die Spurensuche beginnt im Internet. Vor einigen Jahren noch gab es in Kempten den Ring Politischer Jugend, in dem sich der Nachwuchs aller politischer Farben engagierte. Doch jetzt? Kein Treffer in der Suchmaschine. Warum das so ist, weiß Raphael Rädler, 28 Jahre und Vorsitzender der Jung-Liberalen («Julis»). «Das ist ziemlich eingeschlafen», meint er. Das Thema Jugend und Politik, sagen er und sein Stellvertreter Jonas Goos (18 Jahre) zu, sei tatsächlich nicht ganz einfach. Mit dem Parteibuch allein komme man jedenfalls nicht an die Jugend ran. Schon eher über Theman wie Bildung und Generationengerechtigkeit. So sieht das auch Katharina Schrader von den Jusos. «Über Themen gewinnt man die jungen Wähler.

» Etwa 25 Mitglieder hat die SPD-Jugend in der Gegend, bei den Kollegen der Julis sind es etwa 15. Daher müsse man sich schon etwas einfallen lassen für die Jungen - zum Beispiel Kneipentouren mit den Bundestagskandidaten oder Werbung im Internet auf «SchülerVZ» und «Facebook». «Wir müssen raus aus Zirkeln und Hinterzimmern», meint auch Markus Hatt, Kreisvorsitzender der Jungen Union (JU, 140 Mitglieder). Für klassische Wahlveranstaltungen seien junge Wähler nicht zu begeistern. Viel eher für Aktionen wie eine nächtliche «Schluckimpfung gegen Wahlmüdigkeit».

«Nicht gut vertreten»

«Das Problem ist doch, dass sich viele Junge von der Politik der Älteren nicht gut vertreten fühlen und starre Parteigremien eine Hürde sind», meint dagegen Maximilian Güntner. Der Börwanger ist «Pirat» und damit eines von etwa 25 hauptsächlich jungen Mitgliedern der Piratenpartei in Kempten und dem Oberallgäu. Vor drei Jahren entstand die Bewegung im Internet - noch immer setzt die Partei vor allem auf Online-Netzwerke, Videoplattformen und Foren.

Tatsächlich, so sagt auch Stadtjugendrings-Vorsitzende Regina Liebhaber, tun sich Jugendliche mit den Erwachsenen-Strukturen in der Politik schwer: «Viele Dinge dauern lange - und manchmal sind die Älteren auch der Meinung, dass ihre Erfahrungen die besseren sind.» Grundsätzlich uninteressiert seien Jugendliche nicht. Ob Schulen oder Familien - «oft fehlt es nur am Übungsfeld für die Demokratie».

Apropos Schulen: Da gab es doch vor einem Jahr die Idee von Stadtrat Alexander Hold (Freie Wähler), gegen Wahlverdrossenheit Stadträte in den Unterricht zu schicken. «Ja», sagt Schulreferent Benedikt Mayer, «wir haben das auch schon mit den Schulen abgeklärt - und derzeit bilden die Parteien einen Arbeitskreis.»

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