Memmingen
Mit Memminger Hilfe auf den Mond

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Dass alle waschechten Memminger eine ganz besondere Beziehung zum Mau pflegen, ist in den Gassen der Altstadt ja hinlänglich bekannt. Dass aber der außergewöhnlich begabte Sohn eines Bäckermeisters aus der Kalchstraße 13 maßgeblich an den Vorarbeiten zur Landung von Apollo 11 am 20. Juli 1969 auf dem Mond beteiligt war, dürfte zumindest für viele Nachgeborene neu sein (siehe auch Infokasten).

Diplom-Ingenieur Wilhelm Angele kam am 8. Februar 1905 in der Maustadt auf die Welt und starb am 22. August 1996 im amerikanischen Richmond (Virginia). Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte Angele in den USA dem weltberühmten Raketenforscher-Team um Wernher von Braun an.

Nach Alabama verlegt

Der Bruder des Memminger Omnibus-Unternehmers Karl Angele ging 1946 mit der Gruppe um Wernher von Braun in die USA, um dort im Dienst der Regierung das amerikanische Raketenprogramm zu entwickeln. Zunächst kamen die hoch qualifizierten deutschen Wissenschaftler nach El Paso in Texas.

1950 schließlich, als der Wettlauf zwischen den USA und der Sowjetunion um die Vorherrschaft im All begann, wurde das Team nach Huntsville in Alabama verlegt. Dort habe Wilhelm Angele an einer großen Zahl von Projekten der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA (National Aeronautics and Space Administration) mitgearbeitet, würdigte ihn die Zeitung New York Times am 1. September 1996 in einem Nachruf. Als Steuerungsspezialist habe er großen Anteil an mehreren geglückten Mondflügen gehabt.

Nach dem Schulabschluss in Memmingen machte Angele eine Ausbildung als Elektroinstallateur. Anschließend absolvierte er die Technische Hochschule in Nürnberg. In Berlin fand er danach eine Stelle bei Siemens.

Seine Familie hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass ihr berühmtes Mitglied als Wissenschaftler für die Nationalsozialisten elektrische Teile für das Steuerungssystem der V2-Rakete entwickelt hat. «Wir legen jedoch großen Wert darauf, dass Wilhelm Angele dies als Mitarbeiter der Firma Siemens gemacht hat. Er war nie Angehöriger der Wehrmacht», betonen seine Nichte Margarete Spörl (73) und sein Neffe Erwin Westermayer (72), die beide in Memmingen leben. Ab den fünfziger Jahren war Wilhelm Angele in den USA dann unter anderem an der Entwicklung der ersten amerikanischen Satelliten beteiligt.

Bis zu seiner Pensionierung war der gebürtige Memminger bei der NASA Chef der Abteilung für praktische Anwendungen in der Raumfahrttechnik. Doch auch im Ruhestand legte er die Hände nicht in den Schoß: Bis ins hohe Alter arbeitete er als Berater für mehrere große US-amerikanische Luftfahrtbetriebe.

«Kunst der Brezelbäckerei»

Ihr Onkel sei aber alles andere als ein weltfremder Theoretiker gewesen, erinnern sich Spörl und Westermayer: «Er war sehr praktisch veranlagt und hat beispielsweise mit seinem Schwiegersohn ein Segelboot gebaut.»

Doch damit nicht genug: In einer Lobrede zum 80. Geburtstag würdigte Atomphysiker Dr. Ernst Stuhlinger Wilhelm Angeles «hohe Kunst der Brezelbäckerei», deren Ergebnisse für seine Freunde immer wieder ein kulinarischer Genuss gewesen seien.

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