Mit dem Habicht auf Krähen-Jagd

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Mit einem kräftigen Habichtweib auf seinem Arm pirscht sich Andreas Dörk an einige Krähen ran. Bis auf 50 Meter muss sich der Jäger der Beute nähern. Sein Vogel hat Hunger. Vorsichtig löst der 26-Jährige die Lederriemen, mit denen der Habicht an seinem Falknerhandschuh befestigt ist, und bewegt seinen Arm in Richtung der Krähen. Das ist das Zeichen. Das Tier stürzt sich auf seine Beute und tötet einen Vogel mit seinen Fängen.

So könnte es aussehen, wenn Dörk und sein Freund Klaus Hültenschmidt in Zukunft jagen. Bisher haben sie diese Methode nur bei ihrer Falknerausbildung im Saarland angewendet. Jetzt wollen die beiden damit auch unliebsamen Krähen auf Kemptener Flur zu Leibe rücken. Doch das ist nicht ohne weiteres möglich. Bevor die beiden sich ein bis zu 1500 Euro teures Habichtweib anschaffen, brauchen sie eine Voliere. Der Bauantrag für das sechs mal acht Meter große Vogelhaus ist jüngst im Bauausschuss genehmigt worden. Da sie einiges in Eigenleistung bauen wollen, rechnen die Jäger mit Kosten von 6000 bis 7000 Euro. Nächstes Jahr soll die sogenannte Beizjagd beginnen.

Gründe, die Krähen zu jagen, gibt es in den Augen der beiden Falkner genügend: Allem voran wird den Vögeln immer wieder vorgeworfen, kleinere Singvögel zu vertreiben. «Die Krähen zerhacken auch die Schutzfolien der Strohballen auf den Feldern», erzählt Dörk. Das sei den Landwirten ein Dorn im Auge. «Außerdem verwüsten sie Gräber», weiß der 26-Jährige, dessen Arbeit es ist, die städtischen Friedhöfe zu pflegen.

Auf die schwarzen Vögel zu schießen sei aber oft problematisch. «Man kann ja nicht einfach überall mit der Schrotflinte rumballern», sagt Dörk. Außerdem würden die anderen Krähen dies mitbekommen und das Weite suchen. Vielerorts sei ohnehin nur die Jagd mit Greifvögeln möglich, etwa wenn Häuser in der Nähe sind. Doch auch dabei gilt es aufzupassen. «Wir müssen Gebiete meiden, in denen es Saatkrähen gibt », erläutert der 28-jährige Hültenschmidt.

Denn diese Vögel sind im Gegensatz zu den Rabenkrähen geschützt.

Doch wie sind die beiden überhaupt zur Beizjagd gekommen? Immer wieder hatten sie mit Falknern zu tun, erzählen sie. Dabei sei eine Faszination für die «interessanten und imposanten Tiere» aufgekommen. Auch hätten sie bereits früh gemerkt, was den Greifvogel antreibt: Hunger. «Nur deswegen arbeitet er für einen, das ist anders als bei einem trainierten Hund», erläutert Hültenschmidt.

Wenn ihr Habichtweib dann im nächsten Jahr Krähen erlegt, wird es bei der Beute sitzen bleiben. Und - so haben es die beiden bereits auf dem Lehrgang erlebt - das getötete Tier mit den Flügeln ummanteln. Der Falkner wird dann sein Futter gegen das erlegte Tier tauschen. Damit geht der Vogel nicht das Risiko ein, ein krankes Tier zu fressen.

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