Marktoberdorf / Ostallgäu
Mit blauem Auge aus dem Spekulationsdschungel

Das Kommunalunternehmen Kreiskliniken Ostallgäu-Kaufbeuren (KU) scheint mit einem blauen Auge aus den hochriskanten Zinsspekulationsgeschäften des früheren Vorstandsvorsitzenden herauszukommen. Zeitweise rechnete das Unternehmen mit Verlusten von mehr als 800000 Euro. Nun konnte man die riskanten Papiere aber mit 12000 Euro Verlust abstoßen, berichtete der Verwaltungsratsvorsitzende des KU, Landrat Johann Fleschhut, auf Nachfrage unserer Zeitung.

«Die Bank hat die Verträge zurückgenommen. Wir haben die Gelegenheit genutzt, ohne große Verluste zu verbuchen», so Fleschhut. Damit sei das Thema komplett erledigt. Offen sei nur noch, ob die 12000 Euro Schaden eventuell in einer juristischen Auseinandersetzung mit dem früheren Vorstandsvorsitzenden eingefordert werden. Dieses Verfahren sei aber sehr langwierig.

Wie mehrfach berichtet war der frühere Klinikmanager im Sommer 2008 geschasst worden. Neben eigenmächtigen Entscheidungen, die letztlich zur vorzeitigen Schließung der Geburtsabteilung in Marktoberdorf führten, waren auch riskante Spekulationsgeschäfte, sogenannte Swaps, Grund für den Rauswurf. Bei diesen Derivatgeschäften wird auf einen bestimmten Zinssatz «gewettet».

In der jüngsten Sitzung des Verwaltungsrats informierte Fleschhut auch über Kooperationsgespräche zwischen der privaten Vinzenz-Klinik in Pfronten und dem Füssener Haus des KU. Wie Fleschhut betonte, werde die Füssener Klinik definitiv nicht verkauft, auch an den millionenschweren Sanierungsmaßnahmen in Füssen werde festgehalten. Thema der Sitzung waren zudem die Gespräche mit der neuen Vorstandsvorsitzenden, Dr. Susanne Schlichtner, für ein medizinisches Gesamtkonzept der fünf Kliniken in Füssen, Marktoberdorf, Kaufbeuren, Obergünzburg und Buchloe. Laut Fleschhut liegen die Fallzahlen derzeit leicht hinter dem Plan zurück. Dennoch sei das Management zuversichtlich, dass die Defizitprognose von 5,5 Millionen Euro für das laufende Jahr eingehalten werden kann. «Überraschungen wie 2008 müssen ausgeschlossen sein», betont Fleschhut.

Im vergangenen Jahr lag die Prognose bei 8 Millionen, im August wurde der Fehlbetrag aber auf 9,3 Millionen nach oben korrigiert.

Genehmigt hat der Verwaltungsrat auch eine größere Investition: Für 1,5 Millionen Euro (Geräte und Umbaukosten) wird in Kaufbeuren ein Linksherzkathetermessplatz eingerichtet. Damit will man zum Jahresende ein neues Angebot, das vor allem Patienten mit Herzrhythmusstörungen nutzt.

Klinken zahlen keine Prämien

In der Sitzung versicherte das Klinikmanagement auf Nachfrage außerdem, dass bei den kommunalen Häusern keinerlei «Fangprämien» gezahlt werden. Diese Zahlungen für niedergelassene Ärzte, die Patienten in ein bestimmtes Krankenhaus einweisen, hatten deutschlandweit vor Kurzem für Aufsehen gesorgt.

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen