Kaufbeuren
Mit 66 geht so manche Party erst richtig los

Das Bild vom alten Menschen wandelt sich zusehends: Viele Senioren sind heute bis weit in ihre 80er Jahre rüstig und aktiv. Dieser demografischen Entwicklung will auch die Stadt Kaufbeuren Rechnung tragen, und zwar in ihrem so genannten «seniorenpolitischen Gesamtkonzept», das sie jetzt auch von Gesetzes wegen aufstellen muss. 4000 Euro dafür bewilligte jüngst der Verwaltungsausschuss einstimmig.

Der Tenor des aufzustellenden Konzepts: Senioren brauchen nicht nur Hilfe, sondern können auch etwas tun. «Ältere Menschen verfügen über eine wichtige Ressource: Zeit», so Peter Kloos, Leiter der Abteilung für Arbeit und Soziales, die das Konzept mit dem Seniorenbeirat zu Papier bringen soll. Ein ähnliches Planungswerk hat die Stadt schon: den Altenhilfeplan, der zuletzt 2001 fortgeschrieben wurde. Aber dieser stellt eher den Bedürftigkeitsaspekt der Senioren in den Mittelpunkt - und davon will man ja wegkommen. Da es immer mehr Alte gibt (siehe Grafik), wird laut Kloos das Ehrenamt eine zunehmend größere Rolle spielen. Rüstige könnten hilfsbedürftigen Alten Gesellschaft leisten oder zum Beispiel Einkäufe tätigen. Aber nicht nur das: Auch die Modelle «Senioren helfen Kindern» oder «Senioren helfen Kranken» sollen gefördert werden.

Kaufbeuren weise schon viele moderne Angebote im Seniorenbereich auf. Ein schönes Beispiel sei der bereits existierende Seniorenbegleitdienst. Und beim Generationenhaus etwa sitzen Ältere und Kinder an einem Tisch - gemäß des Prinzips der heute eigentlich ausgestorbenen Großfamilie. Oberstes Ziel im Konzept werde sicher auch das gesetzliche Gebot «ambulant vor stationär» sein. Alte Menschen wollen und sollen so lange wie möglich selbstständig in ihren eigenen vier Wänden wohnen.

Und Kloos ist sich sicher, dass der Begriff «Betreutes Wohnen» künftig immer wichtiger wird. Auch dieser entspricht dem neuen Bild der Senioren: Man lebt selbstständig in einer Wohnanlage mit anderen Senioren - und nutzt eine auf die Bedürfnisse Älterer speziell zugeschnittene Infrastruktur.

Großprojekte dieser Art sind in Kaufbeuren schon längst in der Diskussion. Zum Beispiel bei den geplanten Erweiterungen des Espachstiftes und des Heinzelmannstiftes (wir berichteten). Sogar Senioren-Wohngemeinschaften gibt es in der Wertachstadt, und zwar in der Blauen Blume.

Es gibt noch Schwachstellen

Trotzdem werde das Konzept auch Schwachstellen aufzeigen. «Wenn man etwa von Neugablonz mit dem Bus kommend ins Ärztehaus Medicenter gelangen will, ist das kein Problem, die Bushaltestelle ist vorhanden», so Kloos. Aus Richtung Innenstadt sehe es da aber düster aus: Plärrer und Stadtsaal seien die nächsten Haltestellen. Dabei würde ein Medicenter wohl durchaus eine Haltestelle rechtfertigen. Weiß man doch: Senioren suchen sich Ärzte auch danach aus, ob und wie sie sie am leichtesten erreichen können.

Viel Arbeit gibt es also in der nächsten Zeit für die Verfasser des seniorenpolitischen Gesamtkonzeptes. Kloos weiß noch nicht genau, wann es fertig sein wird. Zumal die Planung auch wegen des Zahlenmaterials schwierig ist. Statistische Hochrechnungen für Kaufbeuren ändern sich nämlich zum Teil erheblich von Jahr zu Jahr.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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