Bad Hindelang-Oberjoch
Minister als Baggerfahrer rammt Greifzahn in die Erde

Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil erklimmt behände wie eine Bergziege den bereitgestellten Bagger an der Baustelle, dreht in der Führerkabine den Zündschlüssel um, wirft damit den Motor des Ungetüms an und rammt den hydraulischen Backenzahn am Greifarm in den Erdboden. Zum Ergötzen unseres Fotografen steht diese Szene im hoch gelegenen Bad Hindelanger Ortsteil Oberjoch am Anfang eines obligatorischen mit Schaufeln und Bauhelmen vollzogenen Spatenstiches für ein 13 Millionen Euro schweres Hotel-Neubauprojekt der obersten Kategorie.

Vor dem eigentlichen Vollzug heben die Offiziellen - noch behütet unter einem trockenen Dach - immer wieder hervor, dass dem Vorhaben eines privaten Geldgebers eine Vorbildfunktion zukommt. So könne der Tourismus im Allgäu Hand in Hand mit Behörden und Investoren einen weiteren Aufschwung vollziehen, heißt es.

Wohl deswegen ließ sich Wirtschaftsminister Zeil auch nicht lange bitten, an den Ort zurückzukehren, wo er nach eigenen Worten schon als 16-Jähriger die Jochpass-Straße Richtung Immenstadt heruntergeradelt war. Laut dem FDP-Politiker haben sich an einem Ort, wo sich sonst nirgendwo in Bayern so wenig Feinstaub in der Luft sammle wie in Oberjoch, ein risikobereiter Unternehmer und engagierte Kommunalpolitiker nebst Behörden zusammengetan, um eines der bedeutendsten Wellness-Hotelprojekte Bayerns der Jetztzeit zu ermöglichen.

«Das passt in die Aufbruchstimmung nach der Wirtschaftskrise gut hinein», freut sich der stellvertretende bayerische Ministerpräsident.

Der Tourismus bilde im Allgäu sowieso eine Leitökonomie, hält Zeil in seiner Ansprache fest. Bei dieser Gelegenheit bricht der Wirtschaftsminister erneut eine Lanze für die von der Bundesregierung beschlossene Absenkung der Mehrwertsteuer bei Hotels und Pensionen. Gerade mit Blick auf das nur wenige Kilometer entfernte österreichische Tannheimer Tal, wo schon bisher die Steuerermäßigung gilt, verteidigt der liberale Politiker die umstrittene Steuerermäßigung. «Das ist ein kleines Konjunkturprogramm», baut der Wirtschaftsminister darauf, dass weitere Tourismus-Investitionen ausgelöst werden.

Der Oberallgäuer Landrat Gebhard Kaiser sieht dies genauso. Er mahnt dazu, standhaft zu bleiben und macht eine einfache Rechnung auf: Gegenüber dem benachbarten Tannheimer Tal bräuchten nun die Hindelanger Hoteliers 90000 Euro pro Jahr weniger an Mehrwertsteuer zu berappen. Gerade beim gehobenen Hotel-Segment habe man im touristisch fixierten Oberallgäu noch Bedarf, erhofft sich Kaiser Nachahmer für das Musterbeispiel im «Davos des Oberallgäus», wie der Landrat das Oberjoch betitelte.

Wie Kaiser sonnt sich auch Hindelangs Bürgermeister Adalbert Martin im Lichte der blitzschnellen Ansiedlung des Unterallgäuer Unternehmers. Investor Breher gibt postwendend ein Kompliment zurück. Er preist beim offiziellen Spatenstich voller Bewunderung, wie sehr Landrat und Bürgermeister Gas gegeben hätten.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

4 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Powered by Gogol Publishing 2002-2019