Sonthofen
Milchpreis: Landwirte fordern Taten vor der Wahl

Heimische Landwirte sind mehr als sauer, sie haben Angst um die Zukunft ihrer Höfe. Gestern dann die Fortsetzung der Proteste mit einer Kundgebung vor dem Landratsamt: Die Landwirte fordern Taten vor der Wahl und nicht Versprechungen. «Noch eine Chance für die Politik; die Uhr tickt bis zur Wahl», sagt Erwin Reinalter aus Dietmannsried. Jetzt ständen die Bauern auf, um zu zeigen, «man kann mit uns nicht umgehen wie mit dem letzten Dreck».

Klare Worte auch von Doris Buhl, die mit ihrem Mann und vier Kindern einen Bergbauernhof bei Sonthofen bewirtschaftet: «Wenn sich der Milchpreis nicht drastisch verbessert, tun wirs Vieh weg.» Und sie schimpft: Es könne nicht sein, dass ein Hartz-IV-Empfänger fürs Nichtstun mehr bekomme, als ein Landwirt mit 15, 16 Stunden Arbeit am Tag. Derweil macht Toni Weiler (Oberstdorf) deutlich, was Landwirten von ihrer Arbeit bleibt: Nichts. Vielmehr müsse man pro Liter Milch 18 Cent drauflegen. Das sei in ganz Deutschland so. Auch in Frankreich, Österreich und Italien schütteten jetzt Bauern Milch weg. Selbst in der Schweiz sei zum Lieferstopp aufgerufen worden.

Immer mehr beim Lieferstopp

Lieferstopp - das Reizwort. Seit gerichtlich der Aufruf dazu verboten wurde, kommen immer mehr Landwirte eben von selbst drauf. So wie Toni Weiler und seine Familie. Wer durchs Oberallgäu fahre, sehe an den Schildern auf den Höfen, dass es immer mehr werden, meint Weiler.

Es sei skandalös, dass jedes Angebot, jeder Vorschlag der Milcherzeuger negativ geredet werde, sagt Marianne Wirth. Die Oberstdorfer Bäuerin zeigt in ihrer Hauptansprache auf, wie wirkungslos vergangene Maßnahmen für den Milchmarkt waren. Es müsse Schluss damit sein, ein wertvolles Lebensmittel zu verschleudern und die, die davon leben, in den Ruin zu treiben. Dazu hat Wirth eine Resolution der Landwirte, die konkrete Forderungen wie die bedarfsorientierte Mengensteuerung auflistet. Dazu zählt Wirth auch den kostendeckenden Milchpreis, der ab Oktober mit monatlicher Steigerung auf 40 Cent pro Liter im Januar klettern soll.

Unterstützung bietet da Landrat Gebhard Kaiser zu: Die Resolution werde per Telefax binnen zehn Minuten beim Ministerpräsidenten auf dem Tisch liegen und nicht nur da. Im Tourismus-Landkreis Oberallgäu seien alle auf die Bauern angewiesen, betont Kaiser und fordert Solidarität von der gesamten Bevölkerung.

Auch er wolle noch vor der Wahl ein klares Zeichen und ein Ergebnis sehen. Was BDM-Kreischef Andreas Steidele freut: «Wir wissen, dass wir im Oberallgäu einen gut gesinnten Landrat haben.» Ebenso sichert Haldenwangs Bürgermeister und Vize-Landrat Anton Klotz zu: «Die Gemeinden stehen voll hinter den Forderungen.»

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