Marktoberdorf
Milchbauern kämpfen um ihre Existenz

Das (Milch-)Fass ist für sie übergelaufen, die Milchbauern gehen auf die Barrikaden. Wie in Oberfranken, im Schwarzwald und im Oberallgäu versammelten sich auch in Marktoberdorf mehr als 500 Milchviehhalter und zogen in einem Fackelzug durch den Ort. Eingeladen dazu hatten die Allgäuer und der Weilheim-Schongauer Kreisverband des Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM). Die Landwirte wiesen damit auf die durch den extrem niedrigen Milchpreis prekäre Situation ihrer Betriebe hin. Greifbar im Raum stand dabei die Frage eines Milchstreiks. Jeder müsse selbst entscheiden, ob er seine Milch weiter liefert, stellten die Redner klar. Angesichts streikender Milchbauern in ganz Süddeutschland, in Frankreich und Belgien gebe es nun aber eine - vielleicht die letzte - Chance, EU-weit Verbesserungen durchzusetzen.

In welcher Zwickmühle die Milchbauern sitzen, machten die verschiedenen Redner klar: Lucia Egner (BDM Weilheim-Schongau) berichtete aus Frankreich, wo rund 50 Prozent der Milchbauern streiken. Diese kämpfen nicht nur gegen die Abschaffung der Milchquote, sondern versuchen, sich gegen «Knebelverträge» großer Molkereien zu wehren. Sie bekämpfen eine Situation, in welcher sich auch viele hiesige Betriebe wiederfinden. Egner beschwor die Marktmacht der Milchbauern und motivierte dazu, sich auf die Hinterbeine zu stellen.

Waltraud Högner aus Lengenwang sprach für die Ostallgäuer BDM-Frauen und rief nochmals den Streik der Milchbäuerinnen in Erinnerung. Sie bedauerte, dass Kanzlerin Merkel die BDM-Delegation bei ihrer Kundgebung in Ulm ignoriert habe. Kämpferisch gab sich auch Engelbert Vogler, Vorsitzender der Ostallgäuer BDM-Gruppe.

«So können wir nicht weitermachen. Wir können nicht länger zusehen, wie unsere Höfe zugrunde gerichtet werden.» Es müsse Schluss sein mit einer Politik, die den ländlichen Raum gefährde, forderte er und mahnte eine Unterstützung der Milchbauern durch die Politik im Hinblick auf kommende Wahlen an. Als Skandal bezeichnete er es, dass alle Lösungsansätze des BDM schlechtgeredet werden. Er verglich die heutige Situation der Landwirte mit dem sprichwörtlichen Hamster im Rad. «Europa braucht Rahmenbedingungen für den Milchmarkt», forderte er und verlangte eine nationale und internationale Bündelung der Interessensvertreter der Milchviehhalter, um Verhandlungen auf Augenhöhe mit den Molkereikonzernen führen zu können. Die Saldierung müsse abgeschafft, die Quotenerhöhung rückgängig gemacht werden. Ein freiwilliger Lieferverzicht werde europaweit gebraucht.

Für die klaren Worte der Vertreter des BDM gab es heftigen Beifall. Zahlreiche Bäuerinnen und Bauern kamen danach ans Mikro und bekannten unter Beifall, dass sie bereits keine Milch mehr liefern oder dass sie nun mit einem Lieferstopp beginnen wollen.

Aber nicht alle Milchbauern gaben sich so kämpferisch. Die Entscheidung, die Milch wegzuschütten, bedrückte sichtlich. Viele waren gekommen, um sich in der Gemeinschaft gegenseitig zu stärken und Aufmerksamkeit für die schlechte Situation einzufordern.

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