Eggenthal
Milchbauern fordern Solidarität

«Wir wollen Stephan Stracke einige Impulse mitgeben», so Landwirt Matthäus Bartenschlager. Der CSU-Bundestagskandidat kam zu einer Wahlkampfveranstaltung nach Eggenthal und wurde dort von etwa 50 Bauern empfangen. Die schütteten rund 10000 Liter Milch aus Protest gegen die Politik bei einer «Feuerwehrübung» in eine Güllegrube.

«Wenn bis zum Frühjahr nichts passiert, werden einige Bauern in Eggenthal aufgeben», meint Hermann Hofmann, der die verbandsunabhängige Aktion mitorganisierte. Elf Bauern machen im Ort den Lieferstopp mit. Damit erklären sie sich solidarisch mit dem Boykott der französischen Kollegen und kämpfen zugleich für ihre Sache. Denn rund 22 Cent pro Liter Milch, welche die Landwirte in der Region bekommen, seien entwürdigend: «Wir sind bis zu 15 Stunden täglich auf den Beinen, aber die Milch ist nichts wert. Da wird unser Selbstwertgefühl zerstört, denn ich kann zusehen, wie ich in die Insolvenz geschoben werde», erläutert Christian Roßkopf. Im südlichen Ostallgäu seien schon jetzt viele Bauern Pächter von Flächen, die ihnen früher gehörten. Von den rund 20 Bauern in Eggenthal sind die Hälfte beim Lieferstopp dabei.

Mit der Aktion wollen sie Stracke auf ihre Probleme hinweisen. «Die Bauern müssen auf ihre Situation aufmerksam machen», meint er. Doch die Landwirte sind wütend.

«Wer Bauern quält, wird nicht gewählt», steht auf einem Schild. Und einer kündigt an: «Wir schauen am Wahlsonntag, wer uns nicht hilft, und machen so unser Kreuz.» Vorher wollen die Bauern nicht locker lassen. Denn den Streik 2008 brachen sie nach Versprechungen aus der Politik ab. «Aber man hat uns angelogen», so Lorenz Dempfle. Stattdessen sei Milch aus Tschechien und Polen geliefert worden, um den Preis niedrig zu halten.

Diese Milch sei damals noch als Joghurt aus dem Allgäu verkauft worden. Das Spiel wollen die Bauern nicht noch einmal mitmachen. Unverständnis herrscht bei ihnen auch über Kritik, sie würden leichtfertig Lebensmittel vernichten. «Für uns ist das auch kein Spaß. Aber zu dem Preis können wir nicht produzieren und existieren», meint Hermann aufgebracht. Zumal sich auch schon andere Berufsstände Sorgen machen: «Wir merken auch, dass es den Bauern schlecht geht», sagt ein 19-jähriger Landmaschinenmechaniker aus Baisweil.

Auch in Marktoberdorf Proteste

Das Überleben ihrer Zunft sichern wollten auch rund 50 Landwirte, die Landrat Johann Fleschhut gestern vor dem Landratsamt Marktoberdorf eine Resolution mit Forderungen überreichten. «Seit etwa zehn Tagen schütten wir unsere Milch weg, weil sie ohnehin nichts wert ist. Wenn nicht bald etwas passiert, können wir zusperren», erklärte Landwirtin Gertrud Vogg aus Linden bei Stöttwang. Organisiert hatte die Aktion der Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM). Fleschhut versicherte den Milchbauern seine Unterstützung und Solidarität, «die Landwirtschaft ist für unsere Region existenziell wichtig», und lud die Landwirte zu einem runden Tisch zur Ideensammlung ein.

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