Ebenhofen / Ostallgäu
Milch: Globalisierung nutzen, um lokalen Markt zu stärken

Wenn Susanne Nüssel ihre Tabellen und Grafiken auspackt, zerplatzt so mancher Traum. Auch bei der BBV-Kreisversammlung im Ebenhofener Gasthaus «Hirsch» gab es lange Gesichter, denn die Botschaft ihres Referats - «Die Milchwirtschaft auf dem Weg in die Liberalisierung» - ist klar und unmissverständlich: Die Globalisierung macht auch vor der Milch nicht halt. «Die EU-Rahmenbedingungen stehen fest, daran werden auch nationale Interventionen nichts ändern», betonte die Expertin vom Verband der Bayerischen Privaten Milchwirtschaft. Ihr Fazit: «Wir müssen die globalen Märkte nutzen, um den Milchstandort Bayern zu stärken.»

Wer in Zeiten der Marktliberalisierung mit der Milchviehhaltung trotzdem Erfolge verbuchen will, müsse nicht nur die Kosten senken und den Umsatz steigern, sondern auch die Produktion optimieren und so höhere Produktpreise erzielen. Einen konkreten Blick in die Zukunft wagte die Marktkennerin allerdings nicht. Immerhin: «2010 wird besser als 2009», denn die Nachfrage nach Milchprodukten nimmt weltweit zu. Bei den Preisen für Butter und Milchpulver, so Nüssel, «ist die Talsohle schon erreicht». Auch die Weltmarktpreise erholen sich leicht. Dass Nüssel als Vertreterin der Milchwirtschaft mit Lieferstop-Bauern hart umging, versteht sich von selbst: «Wenn Milch weggeschüttet wird, ist das ein Vertragsbruch mit den Abnehmern.» Eine flexible Mengensteuerung, wie sie der BDM vorschlägt, würde sich ihrer Meinung nach ohnehin nicht positiv auf den Milchpreis auswirken, dafür seien die beeinflussbaren Mengen einfach zu klein.

Selbst das Schweizer Modell, das ohne Milchquote auskommt, funktioniere nicht richtig. Auch eine Milchpreisbindung wie in Kanada sei innerhalb der EU nicht möglich.

Bewegung kam ins inoffizielle Thema der BBV-Kreisversammlung: Der Umgang mit der Konkurrenz des Bundes Deutscher Milchviehhalter (BDM). Gleich zum Auftakt äußerte Kreisobmann Josef Nadler («Wir haben den Krach mit dem BDM nie gesucht») zwar Verständnis «für manche spontane Reaktionen», generell sieht er in Milchstreiks aber nach wie vor keinen Sinn. Vielversprechender seien BBV-Themen und Forderungen, wie etwa die Kuhprämie. Das sei einer der Ansätze, «die passen und ausgebaut werden können».

Die Auseinandersetzung der beiden Verbände schade den Bauern insgesamt, meinte Nadler: «Da geht der Riss quer durch die Familien.» Was die Vermarktung der Milch anbelangt, sprach sich Nadler für eine wichtigere Rolle der Milcherzeuger-Gemeinschaften (MEG) aus: «Wir brauchen starke MEGs.» Selbst die Fachreferentin des Abends forderte mehr Einigkeit unter den Landwirten: «Die Bauern sollten sich nicht länger als zerstrittener Haufen präsentieren» und zur sachlichen Diskussion zurückkehren, meinte Susanne Nüssel.

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