Metzgermeister ohrfeigt Kunden

Memmingen | py | An das legendäre Königlich-Bayerische Amtsgericht hat jetzt ein Prozess in Memmingen erinnert. Verhandelt wurde gegen einen Metzgermeister, der bis 2007 in Memmingen ein Geschäft betrieben hatte.

Für Heiterkeit sorgte der 55-jährige hauptsächlich durch seine Stellungnahmen zur Anklage. Diese lautete auf Verkauf nicht verzehrgeeigneter Lebensmittel, Unterlassung der Kennzeichnung von Lebens-mitteln, Beleidigung und Körper-verletzung. 'Ich habe das Buch über die Lebensmittelvorschriften im Laden in ein Regal gelegt. Da hatte jeder Kunde die Möglichkeit reinzuschauen', sagte er und meinte, das sei ausreichend gewesen. Dass das den Kontrolleuren nicht genügte und dass in seinen Produkten überdurchschnittlich viel konservierendes Nitrit gefunden wurde, nahm der 55-Jährige wie viele andere belastende Aussagen regungslos zur Kenntnis.

'Ich wollte ihn nicht schlagen'

Als sich ein Kunde über den üblen Geschmack des Schinkens in einem Semmel mit Cordon bleu beschwerte und zur Polizei gehen wollte, gab ihm der verärgerte Meister über den Ladentisch hinweg eine saftige Ohrfeige. 'Ich wollte ihn nicht schlagen, ich habe nur so getan', sagte der Angeklagte und stellte den Hergang so dar, als ob der Kunde versehentlich in seine Handbewegung gelaufen sei. Das ließ dann sogar seinen Verteidiger verzweifelt reagieren.

Der Richter schilderte den beruflichen Weg des Angeklagten. 'Haben sie sich von ihren Misserfolgen nicht mal beeindrucken lassen ? Alles, was sie anpacken, endet in der Insolvenz, im Chaos und oft mit Gewalt', resümierte er angesichts der vielen Vorstrafen wegen Betrugs, Sachbeschädigung, Körperverletzung, Beleidigung, Verstößen gegen Ausländer- und Arbeitsrecht und Lebensmittel-Vorschriften. 'Darüber habe ich nicht nachgedacht, ich habe halt nur etwas Pech gehabt', war die Antwort. Der Richter stellte fest: 'Wenn man einen Betrieb nicht führen kann, sollte man die Finger davon lassen.'

Trotz sehr hoher Schulden aus mehreren Insolvenzen hat der Angeklagte eine neue Metzgerei im Allgäu eröffnet. Er hat eine Firmenkonstruktion mit Sitz in Großbritannien gewählt, bei der seine persönliche Haftung sehr eingeschränkt ist. Eine Bank hat ihm dazu einen Kredit gegeben. Das Amtsgericht will weitere Zeugen hören. Die Verhandlung wird Ende Februar fortgesetzt.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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