Special Prozesse im Allgäu SPECIAL

Prozess
Messer in Rücken gerammt: Über vier Jahre Haft

Wegen gefährlicher Körperverletzung ist gestern ein 54-Jähriger Mann aus Hörbranz (Vorarlberg) vom Landgericht Kempten zu vier Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Angeklagt war er zunächst wegen versuchten Mordes.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der türkische Staatsbürger seinen vermeintlichen Nebenbuhler im Juni dieses Jahres mit einem Messer niedergestochen hat. Um 6.45 Uhr fuhr der Angeklagte an diesem Tag von seiner Wohnung im Vorarlberger Hörbranz nach Lindau zur Wohnung seiner Lebensgefährtin. Dort entdeckte er in der Abstellkammer der Wohnung einen Mann: den vermeintlichen Geliebten seiner Freundin. Er forderte den 47-jährigen Türken auf, die Wohnung zu verlassen. Als dieser ging und ihm den Rücken zuwandte, stach ihm der Angeklagte mit Wucht ein Messer in den Rücken. Der 47-Jährige merkte zunächst nur einen Schlag auf den Rücken, lief weiter und stellte dann erst fest, dass er blutete. Vor dem Haus brach er schließlich zusammen.

Er trug bei dem Angriff eine etwa acht Zentimeter tiefe Stichwunde davon. Laut den Ärzten hatte die Klinge nur knapp die Lunge verfehlt. Der arbeitslose Mann musste notoperiert werden und insgesamt vier Tage im Krankenhaus verbringen. «Außerdem leide ich seit dem Übergriff an Schlafstörungen und habe Angst, unter Menschen zu gehen», erzählt er. Er habe die Frau erst an diesem Abend kennengelernt und sei nur bei ihr gewesen, da sie ihn gebeten habe, sie nach Hause zu fahren. «Ich hatte keine Absichten», sagte er.

«Er ist in die Klinge gefallen»

Der Angeklagte hatte die Szene, die sich vor einem halben Jahr abspielte, ganz anders in Erinnerung: Als seine Freundin ihm die Türe geöffnet hatte und er mit ihr sprach, habe er ein Husten aus der Abstellkammer gehört. Als er sie öffnete habe ihn der vermeintliche Liebhaber unvermittelt angegriffen. Außerdem trug er angeblich ein Messer bei sich. «Aus Angst habe ich mir auch ein Messer geholt», sagte der Angeklagte vor Gericht. Dann sei es zu einer Prügelei gekommen, in deren Verlauf dass Opfer «irgendwie in die Klinge gefallen sein muss. Ich kann mich nicht erinnern, ihn gestochen zu haben», so der arbeitlose 54-Jährige.

Die 40-jährige Freundin widersprach vor Gericht beinahe allen Aussagen, die sie bei der Vernehmung im Juni getroffen hatte. Laut dem Richter erschien sie dadurch «sehr unglaubwürdig und unkooperativ». Die dreifache Mutter sagte, sie könne sich an den Vorfall kaum erinnern. Nur aus Angst vor dem Angeklagten habe sie den Mann - der nicht mehr als ein Bekannter gewesen sei - in der Abstellkammer versteckt. Denn der Angeklagte sei nach ihrer Aussage in der fünfjährigen Beziehung regelmäßig ausgerastet, habe sie geschlagen, beschimpft und ihr mit dem Tod gedroht.

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