Integrationskurs
Menschen aus anderen Ländern lernen im Lindenberger Pfarrheim die deutsche Sprache

Tracey Endl hat ganz konkrete Pläne. 'Ich will mir einen Job suchen, den Führerschein machen, ein Auto kaufen, und vielleicht nächstes Jahr ein Baby', erzählt die junge Frau und lacht. Seit 14 Monaten lebt die 25-Jährige in Scheidegg.

Aufgewachsen ist sie in Südafrika. Damit sie ihre Pläne hier im Westallgäu verwirklichen kann, hat sie im vergangenen Jahr jeden Vormittag deutsche Verben konjungiert, Vokabeln wiederholt und Grammatik gelernt. Gemeinsam mit 15 anderen Frauen und Männern hat sie einen Integrationskurs im Pfarrheim in Lindenberg besucht, der erstmals vom CJD Bodensee-Oberschwaben im Westallgäu angeboten wurde. "Wir haben bei anderen sozialen Angeboten gemerkt, dass die Nachfrage hierfür da ist", sagt Dr. Silke Gärtner, Standortleiterin des CJD Bodensee-Oberschwaben in Lindau.

'Ich kann jetzt lesen und schreiben auf Deutsch', sagt Ana Santana und zeigt stolz ihr Zertifikat her. Dort steht es schwarz auf weiß, was die 27-Jährige aus der Dominikanischen Republik im vergangenen Jahr hier gelernt hat. 'Deutsch ist eine schwere Sprache', findet sie. Seit einem Jahr lebt die Frau mit dem grünen Kleid und den kurzen geflochtenen Zöpfen nun in Lindenberg. 'Mir gefällt es sehr gut hier, nur im Winter ist es sehr kalt', erzählt sie.

Was Ana Santana und Tracey Endl schon geschafft haben, liegt noch vor den jetzigen Teilnehmern des zweiten Integrationskurses. Heute stehen die Uhrzeiten auf dem Stundenplan. 'Wie spät ist es?', fragt Lehrerin Livia Breuer und zeigt zur Verdeutlichung auf ihre Armbanduhr.

Die Frauen und Männer im Alter von 17 bis Mitte 40 haben ihre Sprachbücher aufgeschlagen. Ein Bildchen auf der linken Seite zeigt eine blonde Frau, die am Bettrand sitzt. Die abgebildete Uhr zeigt neun an. 'Marines steht um 9 Uhr auf', liest Weronika Gronska vor. Die 17-Jährige ist vor neun Monaten aus Polen nach Deutschland gekommen. Auch sie hat schon Pläne für die Zeit nach dem Kurs. 'Ich möchte die Schule fertig machen und dann Krankenschwester werden.' Gemeinsam mit ihrem fünfjährigen Bruder und ihren Eltern lebt sie in Weiler. 'Meine Mutter hat hier eine Arbeitsstelle gefunden', berichtet sie, warum sie nun in Deutschland lebt. Ihre Mitschüler kommen – wie auch schon im ersten Kurs – aus der ganzen Welt.

Ähnlich vielfältig sind auch die Gründe, warum sie nun hier leben. Mal hat sie die Liebe ins Westallgäu gebracht, mal der Krieg sie aus ihrem Heimatland vertrieben.

'Viele neue Freunde gefunden'

'Aufstehen' ist ein neues Wort für die Kursteilnehmer. Livia Breuer, die neben Deutsch als Zweitsprache und ihrer Muttersprache ungarisch auch etwas russisch und italienisch spricht, erklärt den Unterschied zwischen stehen und aufstehen. Dann wird das Verb konjungiert: Ich stehe auf, du stehst auf, er steht auf,

Reihum werden die Sätze wiederholt: Wann stehst du auf? Ich stehe um sechs Uhr auf. Nicht immer klappt es aufs erste Mal. 'Die Aussprache ist sehr schwierig, aber die Lehrerin ist sehr nett' findet Thitirat Schmalhofer. Die 29-Jährige ist in Thailand aufgewachsen und seit zehn Monaten in Deutschland. Wie auch ihren Mitschüler Vincenzo Truppo hat sie die Liebe nach Deutschland geführt. 'Meine Verlobte lebt hier', erzählt der 24-Jährige, der seit sechs Monaten in Lindenberg wohnt. Sein Ziel: 'Besser Deutsch lernen, um hier eine Arbeit zu finden'.

An den Wänden hängt eine Deutschandkarte und verschiedene selbst geschriebene Plakate mit Verben, Personalpronomen und Präpositionen. Denn nicht nur die deutsche Sprache wird den Teilnehmern vermittelt, sondern auch etwas über die deutsche Kultur, Geschichte und Politik. 'Das ist wichtig, damit man weiß, worüber sich die Menschen unterhalten', sagt Khittkanokkhorn Kupfer, Teilnehmerin des ersten Kurses. Seit zwei Jahren lebt 26-Jährige in Deutschland. Ursprünglich kommt sie aus Indien. Was ihr an dem Integrationskurs am besten gefallen hat? 'Ich habe viel über Deutschland gelernt, und auch über andere Länder und Kulturen und ich habe viele neue Freunde gefunden.'

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