Buchloe
Melancholisch und heiter

Mit typisch melancholischen, aber auch heiteren Stücken fesselte das russische Gesangsensemble «Kressiva» (übersetzt Feuerstein) beim Benefizkonzert im Haus der Begegnung in Buchloe. Organisiert hatte das Konzert die Familie Dr. Schlichting. Das vierköpfige Ensemble besteht seit 1991, überwiegend aus Mitgliedern der Staatlichen Philharmonie Belarus (Weißrusslands).

Künstlerischer Leiter und Komponist der Gesangsgruppe ist Anatolij Kasak, der auch die Bassstimme sang und ein Mini-Keyboard bediente. Die einzige weibliche Stimme, den Sopran, verkörperte die gleichzeitig gekonnt schauspielernde oder Violine spielende Jelena Tschumakowa. Alexander Ternowskij sang, ebenfalls stimmgewaltig wie die anderen, die Tenorstimme und der neu in das Ensemble gekommene Andre Zacharevski begleitete die Stücke auf der Gitarre.

Im ersten Teil des Konzertabends trat die Gruppe in wunderschönen Trachtengewändern auf, im zweiten Abschnitt in grau schimmernder Abendgarderobe.

Das Anliegen des Ensembles ist, so erläuterte die Moderatorin und Dolmetscherin Olga Serjogina, «ein Feuer zu entzünden, das uns erwärmt und aufgeschlossener macht», an diesem Abend auch in Buchloe für die strahlengeschädigten Kinder von Tschernobyl. Als Mitglied der Belarussischen Invalidengesellschaft unterstützen die Künstler außerdem in ihrer Heimat MS-Kranke.

Ein weiterer Grund für die Benefizaufführungen sei die Tatsache, dass die uralten Traditionen in Weißrussland immer mehr in Vergessenheit geraten, auch durch die Umsiedlungen nach der Reaktorkatastrophe. Deshalb sammle Kasak die Vokalmusik Weißrusslands aus allen Jahrhunderten. Das Repertoire reicht von beschwingten, heiteren Volksliedern über sakrale Weisen bis hin zu melancholischen, russischen Romanzen.

Den Anfang des Abends im Haus der Begegnung bildete jahreszeitlich angepasst ein Loblied auf die eingebrachte Ernte. Durch die ausführliche Übersetzung vor jedem Stück konnten die Zuhörer gut an den Geschichten teilhaben - ein Übriges tat die mimisch und schauspielerisch hervorragende Leistung von Tschumakowa. An zwei Stellen lasen die Sänger den vorgebrachten deutschen Liedtext fast akzentfrei ab, so bei den bekannten Weisen «Auf einem Baum ein Kuckuck saß» und «Sah ein Knab ein Röslein stehn».

Im Konzertteil vor der Pause lauschten die Zuhörer Szenen aus dem Bauernleben, einem Dorf-Tango, einem Scherzlied und mehreren Liebesliedern.

Im zweiten Teil des Abends standen zunächst zwei sakrale Weisen auf dem Programm: das «Gebet zum heiligen Geist», ein A-cappella-Stück, das jeden Abend in jeder russisch-orthodoxen Kirche gesungen wird. Es folgte die Romanze «Abendglocken». Mehrere weltliche Romanzen, die außer bei den heiteren Liedern immer das russisch-melancholische Element enthielten, folgten und animierten das leider nicht sehr zahlreiche Publikum zum Mitklatschen. Uta Mantwill

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