Landgericht
Mehrmals auf wehrloses Opfer eingetreten

Der Vorwurf wiegt schwer: Im vergangenen August soll ein 19-Jähriger in Mindelheim grundlos auf einen ihm unbekannten Gleichaltrigen eingeprügelt haben. Als der zu Boden ging, trat er noch mehrfach gegen dessen Kopf. «Diese Tritte waren extrem gefährlich», verdeutlichte Staatsanwalt Dr. Andreas Mairock in der gestrigen Verhandlung vor dem Landgericht Memmingen. Sie hätten tödlich sein können. Die Anklage lautete dementsprechend zunächst auf versuchten Mord. Letztlich wurde der Mann jedoch wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung zu drei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt.

Richterin Brigitte Grenzstein begründete dies damit, dass ein Motiv fehle und der 19-Jährige während des Angriffs keine Mordabsichten geäußert habe. Gleichwohl machte sie deutlich, dass es sich bei den Schlägen und Tritten keineswegs um Kavaliersdelikte handelte: «Was da passiert ist, ist unglaublich. Sie haben den Nebenkläger ohne jeglichen Grund angegriffen und übelst und brutal zusammengeschlagen.»

Zuvor hatte das Gericht zur rekonstruieren versucht, was in dieser Nacht tatsächlich passiert war. Denn der Angeklagte hatte zwar gestanden, auf den 19-Jährigen eingeschlagen zu haben. Dieser habe ihn zuvor aber seinerseits beleidigt. «Davon habe ich mich provozieren lassen und einfach zugeschlagen. Ich habe einen Fehler gemacht. Ich habe überreagiert», sagte er. Auch die als Zeugen geladenen Freunde des Angeklagten behaupteten, dass das Opfer den Beschuldigten zuerst beleidigt und die Hand gehoben habe.

Was den genauen Tathergang anging, verwiesen sie auf Erinnerungslücken. Sie hätten zuvor Alkohol getrunken.

Letztlich schenkte das Gericht der Schilderung des Opfers und eines Freundes Glauben. Beide gaben an, auf dem Nachhauseweg auf die Jugendlichen getroffen zu sein, die ihnen massive Beleidigungen zugerufen hätten. Um Ärger zu vermeiden, seien sie weitergegangen. Drei der Jugendlichen seien ihnen aber nachgelaufen. Dann habe der Angeklagte zugeschlagen und anschließend auf das am Boden liegende Opfer eingetreten. Als es dessen Freund gelang, ihm wieder auf die Beine zu helfen, habe der Angeklagte erneut zugeschlagen und getreten. «Da hab ich gedacht, jetzt ist es soweit», schilderte das Opfer seine Todesangst. Der junge Mann erlitt massive Prellungen, Blutergüsse und einen Knochenbruch an der Augenhöhle.

Angeklagter mehrfach vorbestraft

Weil der Angeklagte mehrfach vorbestraft ist, wurde die Strafe nicht zur Bewährung ausgesetzt. «Sie hatten viele Chancen. Jetzt hilft nur noch das Gefängnis», sagte die Richterin. Daneben muss er dem Opfer, das bereits 800 Euro Schmerzensgeld erhalten hat, weitere 7000 Euro zahlen.

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