Mehr Ostallgäuer nur noch durch Zuzug

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Marktoberdorf/Ostallgäu | vit | Für sein seniorenpolitisches Gesamtkonzept ließ der Landkreis Ostallgäu eine umfangreiche Bevölkerungsprognose erstellen. Das Institut SAGS aus Augsburg liefert damit Daten, die für viele Bereiche der Infrastrukturplanung verwendet werden können. So geht es nicht nur um den Bedarf an Pflegeeinrichtungen für Senioren, sondern auch um die Auslastung von Kindergärten und Schulen oder die Ausweisung von neuen Baugebieten. Ein zentrales Ergebnis: Ohne Zuwanderung hat das Ostallgäu in 20 Jahren deutlich weniger Einwohner.

Hier die wichtigsten Resultate:

Viele Kinder: Im Landkreis leben derzeit prozentual mehr Kinder als in Bayern, weniger junge Erwachsene unter 40 Jahren und ungefähr gleich viele Senioren wie in Bayern und in Schwaben.

Wegzugzur Ausbildung: Junge Erwachsene ziehen aus der Heimatgemeinde zu Ausbildung und Studium oft in größere Städte. Junge Familien kehren wieder ins Umland in ein Häuschen im Grünen zurück. Im südlichen Ostallgäu gibt es mehr Zuwanderung von älteren Bevölkerungsgruppen. Bei den Hochbetagten sind vor allem Umzüge in Seniorenheime zu verzeichnen.

Nur noch 1000 Geburten pro Jahr

Mehr Todesfälle als Geburten: Im Landkreis Ostallgäu sterben in den kommenden Jahren mehr Menschen als geboren werden. Daher kann die Bevölkerung nur noch durch Zuwanderung wachsen. Doch auch bei einer realistisch prognostizierten Zuwanderung wird sich die Einwohnerzahl (derzeit rund 135000) nur um wenige Tausend Einwohner erhöhen. Ab 2010 werden sich die Geburten bei rund 1100 pro Jahr einpendeln, die Sterbefälle steigen gleichzeitig von 1367 (2010) auf bis zu 1659 (2026).

Konsequenzen für Schulen: Der Geburtenrückgang führt phasenversetzt zu einem starken Rückgang der jüngeren Altersgruppen und deshalb zu geringerer Nachfrage in der Kindertagesbetreuung, den Grund- und weiterführenden Schulen. Gleichzeitig verändert sich die Nachfrage nach diesen Angeboten durch früheres Eintrittsalter, Nachmittagsbetreuung für Schulkinder und höheren Besuchsquoten.

600 zusätzliche Pflegeplätze

Mehr Pflegeplätze: Der deutlich steigende Anteil von Hochbetagten an der Bevölkerung führt dazu, dass im Jahr 2025 statt momentan rund 3000 Personen mehr als 4500 Personen Bedarf an Pflegeleistungen (ambulant und stationär) haben werden. Der Bedarf an Pflegeplätzen in den Heimen wird von derzeit 1008 auf 1608 steigen.

Der Statistiker Christian Rindsfüßer von SAGS ist überzeugt, dass das Ostallgäu sein seniorenpolitisches Konzept zum richtigen Zeitpunkt erstellt. So könne man auf den wachsenden Pflegebedarf reagieren.

Lucia Hartung, die im Landratsamt das Seniorenkonzept koordiniert, berichtet, dass auch die Workshops zu diesem Thema mit Experten und Betroffenen sehr gut besucht seien. Viele Gemeinden benennen zudem Seniorenbeauftragte.

Zuwanderung fördern

Landrat Johann Fleschhut ergänzt, die Prognose zeige «dramatische Veränderungen» besonders in Bezug auf die Hochbetagten. Die Untersuchung biete hier eine gute Planungsgrundlage auch für die Zukunft der Schulen im Landkreis. Die Gemeinden müssten überlegen, ob strikte Einheimischenmodelle bei der Bauplatzvergabe noch sinnvoll sind. Denn ein Bevölkerungswachstum sei nur durch Zuzug möglich. «Wir brauchen Zuzug. Da müssen wir attraktiv werden.»

Standortmarketing für Zuzug

Für Dr. Christian Alex (CSU) ist die Prognose ein Ansporn, die Bemühungen in Richtung Gesundheitsregion zu verstärken. Der Landkreis müsse auch eine Beratung zur Organisation alternativer Wohnmodelle für Senioren (Wohngemeinschaft, betreutes Wohnen) anbieten, fordert Hubert Endhardt (Grüne). Rudolf Leinweber (FDP) schlägt vor, durch aktiveres Standortmarketing und Wirtschaftsförderung mehr Zuzug zu erreichen.

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