Nassenbeuren/Unterallgäu
Mehr Miteinander in den Dörfern angemahnt

«Das ist alles ja ganz toll, was ihr da macht, aber ich habe dafür wirklich keine Zeit». Diese mit einem Kompliment angereicherte Ausrede hören Bürgermeister, Pfarrer und Vereinsvorstände immer öfter. Immer weniger Menschen sind auch im Unterallgäu bereit, sich ehrenamtlich für eine soziale Sache zu engagieren. Auch die Kluft zwischen Kirchen und Kommunen wird immer größer. Die zunehmende Anonymisierung der Gesellschaft beklagte auf dem 36. Unterallgäuer Landvolktag im Schützenheim auch Professor Lothar Zettler aus Ottobeuren.

«Wir müssen handeln, um diese Entwicklung zu stoppen», warnte er die Verantwortlichen in Politik, Kirche und Gesellschaft. Um den sozialen Herausforderungen in den Dörfern erfolgreich zu begegnen, müssen auch die Sportvereine mit ins Boot geholt werden. «Es gibt bereits enge Berührungspunkte», informierte Uli Theophiel, der Kreisvorsitzende des Bayerischen Landessportverbandes (BLSV). «Uns verbinden gemeinsame Werte und Ziele», unterstrich er und verwies auf gemeinsam praktiziertes Fair Play auf dem Spielfeld und im Alltag. Der BLSV werde für alle elf Landkreise in Schwaben einen Referenten für Kirche und Sport berufen.

«Jammern hilft auch bei überzogener Individualisierung nicht weiter, Anpacken ist gefragt und neue Ideen müssen her», meldete sich Diözesanbischof Walter Mixa zu Wort. Die Einstellung vieler Zeitgenossen «Hauptsache mir gehts gut» nannte der Oberhirte «tödlichen Egoismus für das gesellschaftliche Leben».

Mixa beschwor Priester, Bürgermeister und die Verantwortlichen in den Vereinen, in Sachen «Soziales Dorf» am Ball zu bleiben und beklagte eine «mangelnde Bindungsbereitschaft». Man spreche nur noch von Partnerschaften, «kaum jemand nimmt noch das Wort ,, Ehe in den Mund», kritisierte Mixa.

«Weg vom Containerdenken, die anderen werden es schon richten», forderte der Dekanatsvorsitzende der Katholischen Landvolkbewegung (KLB), Hans Mayer aus Dirlewang. In das gleiche Horn stieß Regionaldekan Martin Maurer. Er mahnte mehr Miteinander an. Mit dem Kirchenmann waren sich alle Diskussionsredner einig: «Die Kirche im Dorf lassen, aber über den Kirchturm hinausschauen». Mindelheims Bürgermeister Stephan Winter sagte, Kirche und Kommune seien unverzichtbare Partner. «Ohne die beiden Institutionen würde den Menschen etwas fehlen».

«Ehe und Familie stärken»

Der Kundgebung des Landvolks ging ein Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Vitus voraus. Bischof Mixa feierte die Eucharistie in Konzelebration mit sieben Priestern aus der Region. In seiner Predigt trat der Oberhirte für eine Stärkung von Ehe und Familie ein. «Mission beginnt am Küchentisch, beim Tischgebet, oder wenn es bei Gesprächen zwischen Eltern und Kindern ums Eingemachte geht», meinte Mixa und forderte mehr Zuwendung für ältere und kranke Menschen ein.

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