Feuerwehr
Mehr Einsätze wegen Sturm oder Hochwasser

Zu über 900 Einsätzen ist die Feuerwehr im Jahr 2010 ausgerückt. Knapp 300 Mal hat es gebrannt, rund 550 Mal sind die Wehrler zu technischen Hilfeleistungen gerufen worden, davon waren etwa 250 durch Hochwasser bedingt. Wie sich das Aufgabenfeld der Feuerwehr im Landkreis Lindau verschiebt und welchen Schwerpunkt die Wehrler auf das Jahr 2011 legen, darüber haben wir mit Kreisbrandrat Friedhold Schneider gesprochen.

Hochwasser, Großbrände, über 900 Einsätze - war 2010 ein Katastrophenjahr für die Feuerwehr?

Friedhold Schneider: Nein, es war ein ganz normales Jahr, mit diesen Einsätzen muss man leben. Wenn wir einmal über unseren eigenen Tellerrand schauen, sehen wir, dass es andere noch viel schlimmer getroffen hat.

Was waren die größten Einsätze im Jahr 2010?

Schneider: Einer der größeren Einsätze war der Brand eines Reifenlagers in Niederstaufen im Juni. Rund 1000 Reifen haben dort gebrannt. Dem Feuer konnten wir nur Herr werden, in dem wir es mit Schaum erstickten. Zum Glück hat das sehr gut funktioniert. Zwar ist die Halle abgebrannt, aber ein größerer Schaden für die Umwelt konnte verhindert werden. Auch das nebenstehende Wohnhaus konnte ohne Schäden gerettet werden.

Was waren die schlimmsten Einsätze im vergangenen Jahr?

Schneider: Alle Einsätze bei denen Menschen verletzt oder getötet werden gehen uns Einsatzkräften unter die Haut. Sachschäden kann man beheben, da zahlt in aller Regel eine Versicherung. Doch wenn Personen zu Schaden kommen, ist das immer gravierend, für die Betroffenen aber auch für die Helfer. Auch wenn wir nach Vermissten suchen, steht der Mensch ganz klar im Vordergrund. Da ist man natürlich mit einem ganz anderen Einsatz dabei, als wenn man einen Keller auspumpt. Im Sommer wurde etwa ein Jugendlicher aus Ellhofen vermisst. Nach dem Jungen haben wir mit 200 Mann gesucht.

Betrachtet man das Jahr 2010 hat man das Gefühl, die Aufgaben der Feuerwehr verschieben sich: Immer häufiger werden Ihre Leute zu Hochwassern gerufen. Ist das nur eine Momentaufnahme, oder verschiebt sich das Aufgabenfeld der Feuerwehr tatsächlich?

Schneider: Die Natureinsätze werden tatsächlich mehr. Wir haben deutlich mehr Einsätze aufgrund von Sturm, Starkregen oder Hochwasser. Dieses Jahr war ja gerade Weiler sehr stark betroffen. Wir müssen uns dementsprechend umstellen. Etwa in dem wir uns mehr Pumpen zulegen.

Um dem Hochwasser in Zukunft besser Herr zu werden, hat die Feuerwehr auch eine Sandsackabfüllmaschine als Spende erhalten. Gab es andere größere Investitionen in diesem Jahr?

Schneider: Die Gemeinden und der Landkreis investieren ständig in die Feuerwehr. Altersbedingt müssen immer wieder Fahrzeuge und Geräte ausgetauscht werden.

Sind größere Investitionen oder Anschaffungen geplant?

Schneider: Die Feuerwehr in Oberreute soll ein neues Mehrzweckfahrzeug bekommen. Und auch in Maierhöfen wird ein Fahrzeug ersetzt. Auch sind neue Feuerwehrhäuser in Planung, etwa in Hergensweiler.

Wenn Sie die Einsätze der letzten Jahre betrachten, hat sich etwas Wesentliches verändert?

Schneider: Eine Entwicklung ist sehr deutlich zu beobachten: Es wird bei den Einsätzen immer mehr Perfektion erwartet. Das beginnt bei der Ausrüstung des Feuerwehrmannes, über den Ablauf des Einsatzes bis hin zur Dokumentation. Das ist auf der einen Seite natürlich mehr Arbeit, es kommt jedoch der Sicherheit der Einsatzkräfte zugute. Und auch den Geschädigten.

Inwiefern?

Schneider: Indem beispielsweise versucht wird, bei einem Brand direkt nach dem Einsatz, das Löschwasser wieder abzupumpen. Dadurch fallen die Schäden oft geringer aus.

Der Landesfeuerwehrverband Bayern klagt über Personalprobleme - gibt es eine solche Tendenz im Landkreis Lindau?

Schneider: Momentan ist bei uns im ländlichen Bereich, also auch im Westallgäu, diese Entwicklung noch nicht zu beobachten. Der Nachwuchs bei uns ist gesichert. Teilweise gibt es jedoch in Lindau Probleme. Nicht immer sind alle Plätze in den Feuerwehrfahrzeugen besetzt. Im Landkreis Lindau gibt es derzeit 1580 aktive Feuerwehrler. Aber natürlich sind nicht immer alle da, wenn der Alarm geht. Manche sind beim Arbeiten in Kempten, beim Einkaufen in Ravensburg oder liegen auch krank im Bett. Würde man jetzt im ganzen Landkreis auf den Alarmknopf drücken, würden gesichert rund 600 Feuerwehrler bereit stehen.

Seit Mitte des Jahres werden die Einsätze über die Einsatzzentrale in Kempten koordiniert. Wie sind Ihre Erfahrungen damit?

Schneider: Die Kinderkrankheiten sind inzwischen überstanden, wir sind sehr zufrieden. Der Vorteil des Systems ist vor allem die gleichzeitige Alarmierung etwa von Feuerwehr und Rettungsdienst.

Was kommt im Jahr 2011 auf die Feuerwehr im Landkreis zu?

Schneider: Wir wollen uns vor allem um das Thema Einsätze in Alten- und Pflegeheimen kümmern. Brennt es dort, kommen auf die Feuerwehr ganz andere Aufgaben und auch Schwierigkeiten zu als etwa bei einem Wohnhausbrand. Es müsen dort überwiegend alte, gebrechliche, teils auch bettlägerige Menschen evakuiert werden. Bei Übungen soll das in einem umfangreichen Ausbildungspaket geprobt werden.

Interview: Anna Feßler

 

Völlig abgebrannt ist Ende November das Nebengebäude eines Bauernhofes in Heimhofen (Grünenbach). Verletzt wurde niemand, aber es entstand hoher Sachschaden. Foto: Polizei Lindenberg

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