Buchloe / Ostallgäu
Mehr als Humtata

«Du bist der Stern in dieser schönen Nacht und der Stern sagt zu mir, ich bleib gerne bei dir, bis dass der Morgen erwacht.» Lauthals singen sie es mit, das Lied vom Böhmischen Traum. Wild klatschend, in Dirndl und Lederhosen. Die, die da auf der Bierbank im schwül-warmen Festzelt stehen, sind alle gerade einmal um die 18 Jahre jung. Und der Böhmische Traum ist kein Rockklassiker oder Schlager, sondern eine Polka. Szenen dieser Art sind heutzutage nicht mehr ungewöhnlich.

Traditionell und modern

«Die Blasmusik macht seit etwa zwei Jahren einen Wandel durch. Gerade bei den Jugendlichen liegt sie voll im Trend», erzählt Gerhard Frei. Der Buchloer ist einer von 18 Musikern der «Waidigel».

Die Blasmusiker aus dem Ostallgäu tingeln von Festzelt zu Festzelt und begeistern dort die meist jungen Gäste mit traditionellen und moderneren Klängen. Die Zahl der Auftritte stieg in den vergangenen Jahren von fünf auf inzwischen bis zu 25 pro Jahr. «Und wir könnten noch viel mehr spielen», sagt Frei. Er macht den Trend allerdings nicht an der Musik fest. «Die jungen Leute stehen gerade voll auf Trachtenmode. Aber in Dirndl und Lederhose kann man halt nicht auf eine Rockparty gehen», meint der 34-Jährige. Eines beobachtet auch Frei: Im Allgäu gebe es massig Kapellen, die allesamt in der Ausbildung der jungen Musikanten engagiert sind.

Das belegt eine Statistik des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes (ASM). So sind derzeit im Bezirk Kaufbeuren, zu dem auch die Vereine in und um Buchloe gehören, in 48 Kapellen insgesamt 2132 Musiker aktiv, fast 1100 davon sind jünger als 21 Jahre. Das ist mehr als die Hälfte. Der ASM startete zudem kürzlich eine Imagekampagne unter dem Motto «Blasmusik - echt cool». Sie soll gezielt junge Menschen ansprechen. «Blasmusik ist mehr als Humtata. Sie gehört mittlerweile wieder zum guten Ton in der Gesellschaft», heißt es seitens des Musikbundes.

Manchmal dumme Sprüche

Das bestätigt Martina Wiedemann. Die 16-Jährige spielt Querflöte in der Musikkapelle Lindenberg. Schon mit neun Jahren hat sie damit angefangen. «Ja, Blasmusik gefällt mir», sagt sie. Es sei die Mischung aus Märschen, Polkas und modernen Stücken, die begeistert. Ab und an müsse sie sich zwar von Gleichaltrigen auch dumme Sprüche ihres Hobbys wegen anhören. «Aber das macht mir nichts. Ich stehe dazu», meint Wiedemann. Zumal viele ihrer Bekannten selbst Blasmusik machen. Allein in Lindenberg seien zehn der knapp 40 Musiker noch nicht erwachsen.

Ähnlich jung aufgestellt ist die Buchloer Stadtkapelle. Wie ihre beiden Brüder Roland (16) und Hendrik (12) ist auch Wiebke Richter dabei. Die 14-Jährige spielt Querflöte - und das seit fünfeinhalb Jahren. Das Tolle, sagt sie, sei die Kameradschaft in der Kapelle.

«Man hat Freunde, die alle das Gleiche machen», meint Richter. Ob Walzer oder Ouvertüre, Richter findet alle Stilrichtungen der Blasmusik gut. Ganz besonders gefällt ihr ein Filmklassiker: «Wir haben kürzlich Dirty Dancing gespielt. Das war spitze.» Musik, die sie auch zu Hause anhören würde, obwohl sie dann doch mehr auf die aktuellen Hits aus den Charts stehe.

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