Kaufbeuren / München
Mediziner üben einen großen Spagat

Ende September kam eine AZ-Leserin zu einer Ärztin: Sie habe Verspannungen in der Schulter gehabt und wollte sich Massagen verschreiben lassen, die ihr in der Vergangenheit Linderung verschafft hätten, so die Leserin. Doch die gewünschte Behandlung wurde ihr verweigert. Mit der Begründung, das ärztliche Budget für das dritte Quartal sei ausgeschöpft. Entweder die Patientin komme nächstes Quartal wieder oder lasse sich vorerst Tabletten verschreiben. Das sei doch empörend, so die verärgerte Leserin: «Man sucht sich den Zeitpunkt seiner Erkrankung doch nicht freiwillig aus.»

Dennoch sei die Angelegenheit legitim. Darauf verweisen sowohl die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) wie auch die Unabhängige Patientenbetreuung Deutschland in München (UPD). Denn Ärzte werden angehalten, die wirtschaftlichste Behandlung zu wählen: «Die Leistungen müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein; sie dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten.» Das sei die Vorgabe aus dem Sozialgesetzbuch, macht Kirsten Warweg von der KVB geltend.

Zudem seien die Patienten verpflichtet, eigenverantwortlich für ihre Gesundheit zu sorgen - Muskelverspannungen könnten also vorbeugend und nicht nur nachträglich von der Leserin wahrgenommen und dementsprechend behandelt werden.

Deshalb könnten Tabletten auch der richtige Ansatz und der wirtschaftlichere Weg sein: «Medikamentöse Behandlung muss nicht zwangsläufig eine zweitklassige Versorgung darstellen», erklärt Carola Sraier von der UPD.

Zwar gebe es für die Ärzte ein Budget, dessen Überschreitung die Mediziner begründen müssen. Andererseits hätten Ärzte keineswegs das Recht, deshalb medizinisch notwendige Leistungen zu verweigern oder aus der Grundversorgung der Patienten die Vorbeugung einzuschränken, betont die KVB. Deshalb können Massagen wirtschaftlicher sein, wenn sie vorbeugend sind und den Patienten zur Selbstvorsorge animieren können, meint Warweg.

Insgesamt müsse aber der finanzielle Aufwand durch einen individuellen Anspruch in einem angemessenen Verhältnis zur Belastung der Versichertengemeinschaft stehen. Wie der Widerspruch zwischen Wirtschaftlichkeit und angemessener Versorgung der Patienten den Ärzten gelingen soll, dafür gebe es kein Patentrezept. Die medizinische Grundversorgung sei bislang in Bayern aber nicht gefährdet, meint Sraier. «Alles andere ist Politik.»

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