Kunsthalle Kempten
Matthias Wohlgenannt baut aus Alltagsgegenständen und ausrangiertem Material neue Bilder

Bilder bauen. So nennt der aus Heimenkirch (Westallgäu) stammende Matthias Wohlgenannt seine Ausstellung in der Kunsthalle Kempten. Dieser Titel erklärt sich sofort, wenn man den Raum betritt. In großen und kleinen Dimensionen hat der 36-Jährige aus altbekannten Materialien neue Wirklichkeiten gefügt. In der Mitte, im Herz des Raumes, steht ein Turm aus irisierenden runden Farbflecken. Wenn man sich nähert, stellt man fest, dass jedes dieser Gläser auf eine unterschiedliche Art den Blick saugt und zoomt.

Irgendwann die Erleuchtung: Brillengläser sind hier wie Bienenwaben in Rahmen versammelt und "korrigieren" wie in einer Art Observatorium die Blicke in die verschiedenen Richtungen. Optiker-Müll genial recycelt.

An der Wand dagegen große, streng quadratische Farbflächen. Die glänzende Oberfläche, durch den Einsatz von Folie entstanden, zeigt Blasen und Arbeitsspuren. Genau solch eine 'Heimwerker-Industrie-Atmosphäre' wolle er kreieren, sagt Wohlgenannt. Farbe zweckfrei, schlicht und einfach als Material. Aus kleinen Farbquadraten ist auch eine Tischplatte aufgebaut.

'Panels' werden diese Farb-Fügungen genannt. Mit einem Modell des Raumes hat Wohlgenannt an der richtigen Größe und Position dieser Arbeiten getüftelt. Einige gibt es so nur ein Mal. Sie müssen am Ende der Ausstellung wieder auseinandergebaut werden, um durch die Tür zu passen.

Hypnotisierender Teppich

Im Gegensatz zu diesen großen, opulenten Gebärden stehen die Collagen. Aus Fotos in Mode- und Livestyle-Magazinen hat Wohlgenannt die Models herausgeschnitten. Ein 'bereinigter' Hintergrund ist nun nichts als Meer, Rasen, Getreidefeld. Allerdings mischen sich verschiedene Lichtstärken und Perspektiven zu einem hypnotisierenden Teppich.

Wenn man sich diesen faszinierend lebendigen Flächen nähert, hat man – je nach Entfernung – verschiedene Theorien, wie sie entstanden sein könnten. Das Geschnipsel realer Drucke erkennt man erst, wenn die Nase schon dranklebt. Bei der Ausstellung 'Die Neuen' des Berufsverbandes Bildender Künstler (BBK) Ende 2011 war Wohlgenannt schon in diesem Raum vertreten.

Nun bekommt er im Rahmen einer BBK-Debütantenausstellung die Chance, ihn alleine zu nutzen – und tut dies auf eine eigenständige, vielversprechende Art. Weil er als Assistent an der Kunstakademie München in das normale Debütanten-Zuschussraster des BBK nicht hineinpasst, organisierte er ein Netzwerk von Förderern, die diese Ausstellung ermöglichen.

Was der Förderpreis der Dr. Rudolf Zorn-Stiftung zur Festwoche 2008 hoffen ließ, wird Realität: Die Allgäuer Kunstszene bekommt eine neue, unverwechselbare Facette. Dieser junge Künstler wird seinen Weg machen.

Die Ausstellung läuft bis 1. April (geöffnet Dienstag bis Freitag 15 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag 12 bis 18 Uhr.

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