Serie
Maria Minkus: Vanille-Rosinen-Kuchen

Krimis haben Schüler des Bernhard-Strigel-Gymnasiums im Rahmen ihres Projektseminars verfasst. Nachdem eine öffentliche Lesung in der Buchhandlung Osiander stattfand, veröffentlichen wir in einer Serie nun eine Auswahl ihrer Werke. Heute ist der 'Vanille-Rosinen-Kuchen' von Maria Minkus an der Reihe. Zutaten: 250g Butter, 250g Zucker, 1 Pck. Vanillezucker, 1 Prise Salz, 4 Eier; getrennt, 300g Mehl, ½ Pck. Backpulver, 100g Rosinen, 3 EL Rum, Orangensaft oder Ähnliches.

'Oder Ähnliches.' Sie schmunzelte und legte das Rezept beiseite. Schon lange war sie nicht mehr so gut gelaunt gewesen. Obwohl Wann war sie in ihrem Leben jemals so fröhlich gewesen? Ein rosa Strich schob sich vor ihr inneres Auge, leuchtend in all dem Weiß. Nach sechs Wochen ungewissen Wartens war sie dann doch in die Apotheke gegangen. Je deutlicher der Strich zu erkennen gewesen war, desto mehr war dieses Gefühl in ihr hochgestiegen. Das Gefühl, das sie auch jetzt zu spüren glaubte. Auf einmal war alles so leicht. Es war Glück.

'Claudia? Eine Tasse Tee, bitte!' Der Ruf ihres Mannes schreckte sie aus ihren seligen Erinnerungen. Zurück in der Küche legte sie etwas Butter in ein Schälchen und stellte es in die Mikrowelle. Da fiel ihr Blick auf einen großen, lilafarbenen Fleck am Unterarm. Wie sollte sie denn den verstecken? Draußen hatte es über 30 Grad! Lange Ärmel? Die Panik wollte sie wieder überfallen. Doch da erinnerte sie sich und die Erleichterung durchströmte sie so plötzlich, dass ihr die Tränen über die Wangen liefen. Der Kuchen wartete

Da piepte auf einmal etwas. Und sofort waren die Bilder wieder da. Sie liegt auf einem weißen Bett. Neben ihr ein Mann, er setzt eine Spritze an ihren Bauch. 'NEIN!', will sie schreien, doch kein Laut dringt aus ihrem Mund. Das Piepen ist schnell, gleichmäßig. Der Mann redet, unverständliche Worte. Sie hört nur das Piepen, hält sich daran fest. Das Piepen bricht abrupt ab. Die Spritze ist leer. Die Stille, die folgt, ist die lauteste, die sie je gehört hat. Aber so ist es besser für die Kleine. Sie dreht sich auf die Seite, vergräbt das Gesicht im Kissen. Und weint.

Doch das Piepen hörte nicht auf. Ach ja, die Mikrowelle. Sie griff nach dem Schälchen; es war viel zu heiß. Und die Butter war nicht mehr weich, sondern flüssig. Auch egal.

Nach einer guten Stunde war der Kuchen fertig. Endlich. Summend trug sie ihn nach oben.

'Das hat heute aber ganz schön gedauert!'

Er nahm den ersten Bissen und sie konnte sich ein kleines, verstohlenes Lächeln nicht verkneifen. Mit der Extraportion 'oder Ähnlichem' müsste es nicht allzu lange dauern.

Autor:

Redaktion extra aus Kempten

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