Prozess
Mann wird nur wegen Drogenbesitzes und nicht wegen Rauschgifthandels verurteilt

Dass ein 31-jähriger Kaufbeurer im Jahr 2009 mit Heroin gehandelt hatte, erschien dem Schöffengericht nach umfangreicher Beweisaufnahme zwar «mehr als wahrscheinlich». Vor allem deshalb, weil zum einen knapp sieben Gramm Heroin in der Wohnung des Angeklagten gefunden, zum anderen Telefongespräche abgehört worden waren. Weil es aber an konkreten Beweisen für einen Rauschgifthandel fehlte, wurde der Mann nur des unerlaubten Betäubungsmittelbesitzes schuldig gesprochen.

Angesichts von neun Vorstrafen, sah das Gericht keine Möglichkeit, die Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten noch zur Bewährung auszusetzen. In der Entscheidung sind ein weiterer Fall von unerlaubtem Drogenbesitz - der Angeklagte hatte in der Wohnung seiner Ex-Freundin ein Gramm Heroin gebunkert - sowie neun Schwarzfahrten mit dem Zug enthalten.

Der als Drogenkonsument bekannte Mann war im Jahr 2009 durch polizeiliche Aussagen anderer Süchtiger ins Visier der Ermittler geraten. Die Zeugen, die sich jetzt vor Gericht mehrheitlich nicht selbst belasten wollten und sich auf ihr Aussageverweigerungsrecht beriefen, hatten seinerzeit einen Unbekannten aus Neugablonz als Verkaufsquelle genannt. In einem Fall hatte eine junge Frau einer Kripobeamtin den Weg zu der Wohnsiedlung gezeigt, in der auch der Angeklagte lebte.

Wo der Dealer genau gewohnt hatte, konnte die Zeugin nicht sagen, da die Drogengeschäfte im Freien stattgefunden hätten. Daraufhin hörte die Polizei Telefonate des Angeklagten ab und observierte ihn über einen längeren Zeitraum. Bei den Gesprächen handelte es sich nach Einschätzung des Staatsanwalts um für die Drogenszene «ganz typische Telefonate», bei denen mehr oder weniger offen über Rauschgiftgeschäfte gesprochen worden sei - ohne jedoch das Wort Heroin zu verwenden.

Zwar konnte der Verdächtige trotz intensiver Überwachung bei keinen Drogengeschäften ertappt werden, bei einer Durchsuchung seiner Wohnung im Dezember 2009 fand die Polizei aber knapp sieben Gramm Heroin.

Das Rauschgift hatte einen derart hohen Reinheitsgrad, dass der Staatsanwalt davon ausging, dass es gestreckt und weiterverkauft werden sollte. Der Angeklagte hatte behauptet, er habe das Rauschgift unentgeltlich von einem ihm nicht näher bekannten Dealer erhalten. Er habe das Heroin aber nicht verkaufen, sondern selbst konsumieren wollen.

Das Gericht nahm dem Angeklagten im Urteil «die Geschichte vom Großdealer, der zum Probieren mal eben sieben Gramm verschenkt» zwar nicht ab, hatte aber bezüglich eines Handels letztlich doch noch «ein paar Prozent» Restzweifel.

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