Gericht
Mann (41) wegen sexuellen Missbrauchs der Stiefkinder in Kempten verurteilt

Seine Vergangenheit hat ihn eingeholt: Zwei Tage vor seiner Hochzeit klickten bei einem 41-jährigen Mann die Handschellen und er wurde in Untersuchungshaft genommen. Das war im Herbst des vergangenen Jahres.

Der Vorwurf: Er soll seine drei Stieftöchter aus einer früheren Beziehung immer wieder sexuell missbraucht haben - insgesamt 132 Mal. Zwar liegen die letzten Taten schon fast zehn Jahre zurück, doch erst im vergangenen Jahr hatte eines der Missbrauchsopfer Anzeige erstattet und damit die Ermittlungen ins Rollen gebracht.

Gestern musste sich der aus Polen stammende, aber seit seinem 16. Lebensjahr in Deutschland lebende Mann vor der Großen Strafkammer des Kemptener Landgerichts verantworten. Über seinen Verteidiger ließ er erklären, dass er die in der Anklageschrift aufgelisteten Straftaten in vollem Umfang gestehe. Er sei zur Tatzeit "nicht gefestigt" gewesen und wolle durch das Geständnis den heute zwischen 25 und 30 Jahre alten Opfern eine Aussage ersparen.

Die Vaterrolle übernommen

Laut Anklageschrift war der Angeklagte von 1994 bis 1999 mit der im Kreis Lindau lebenden Mutter der missbrauchten Mädchen verheiratet. Der Angeklagte habe in der Familie die Vaterrolle übernommen. Zumeist soll er streng zu seinen Stieftöchtern gewesen sein und beispielsweise versucht haben, einen Kontakt der Kinder zu ihrem leiblichen Vater zu unterbinden.

Zu den Übergriffen auf die Kinder kam es zumeist im Haus der Familie, aber auch bei anderen sich bietenden Gelegenheiten. Eine der missbrauchten Frauen sagte bei einer Vernehmung, der Angeklagte habe sie psychisch unter Druck gesetzt. In der Familie sei es immer wichtig gewesen, "den Schein nach außen zu wahren" und deshalb hätten wohl auch alle Missbrauchsopfer so lange geschwiegen.

Das Geschehene sei über Jahre hinweg verdrängt worden, sagte gestern der Nebenklagevertreter in seinem Plädoyer. Bis zu seiner Festnahme im Oktober 2013 hatte der Angeklagte, inzwischen Vater von zwei Buben, mit seiner Partnerin im württembergischen Aalen gelebt und sich nichts zu Schulden kommen lassen. Beruflich war er als selbstständiger Landschaftsgärtner tätig.

Sein Mandant stelle sich "dem Schatten seiner Vergangenheit", sagte der Verteidiger des 41-Jährigen. Der Staatsanwalt forderte für den Mann eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und neun Monaten. Einer der beiden Nebenklageverträger sagte über den Angeklagten: "Er hat seine Vaterrolle systematisch ausgenutzt". Zugunsten des Angeklagten bewerteten Staatsanwaltschaft und Verteidigung das umfassende Geständnis sowie die gezeigte Reue.

In seiner Urteilsbegründung sprach Vorsitzender Richter Dietmar Hermann von einem "hervorragenden Geständnis". Offensichtlich könne der Angeklagte heute selbst nicht mehr begreifen, was er damals getan hatte.

Vor Beginn der Verhandlung hatten sich alle Prozessbeteiligten in einem Rechtsgespräch auf ein Strafmaß von fünf bis sechs Jahren bei einem Geständnis geeinigt.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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