Soziales
Manchmal hilft nur noch die Flucht ins Kaufbeuerer Frauenhaus

Der Anruf kam am späten Nachmittag: 'Wir sind jetzt da', erfuhr die ehrenamtliche Mitarbeiterin Waltraud Stadel-Hahn. Wenige Minuten später brachte sie Anke (Name geändert) und ihre drei Kinder wie verabredet ins Frauenhaus. Die Familie stand noch unter Schock vom Gewaltausbruch des Vaters am Morgen. "Aber wir waren froh, dass wir hier untergekommen sind", sagt Anke nun, beim Besuch der Ostallgäuer CSU-Landtagsabgeordneten Angelika Schorer (Jengen). Für Stadel-Hahn ist die Freude der Frauen "ein schönes Gefühl" - und ein Grund für ihre langjährige Mitarbeit in der Telefonbereitschaft des Frauenhauses, für die derzeit dringend weitere Helfer gesucht werden.

Notrufe sind heute selten geworden, berichtet Stadel-Hahn aus ihrer 15-jährigen Erfahrung. Oft riefen Frauen aus ganz Bayern zunächst nur an, um 'ihr Herz auszuschütten' und sich zu informieren. Die Aufnahme ins Frauenhaus stehe meist am Ende eines 'langen Prozesses'. Dann holt die Ehrenamtliche die Betreffenden an einem vereinbarten Treffpunkt ab und erledigt mit ihnen die Formalitäten.

Sie ist immer wieder fasziniert, mit welcher Anteilnahme und Hilfsbereitschaft die anderen Frauen Neuankömmlinge begrüßen. Die Neulinge ihrerseits sind oft verwundert, wie hell, fröhlich-bunt und freundlich die Räume sind: 'Hier kann man sich wohlfühlen', sagt auch Schorer bei ihrem Besuch.

Sie erfährt, dass es zahlreiche Vorurteile gibt und viele oft erstaunt sind, dass das Haus zwar gegen Eindringlinge perfekt gesichert ist, die Frauen sich aber selbstverständlich völlig frei bewegen können.

Das alles erklärt Stadel-Hahn auch immer wieder am Telefon, wenn sie mithilft, die 24-Stunden-Bereitschaft sicher zu stellen. Das Telefon wird dann auf die jeweilige Handynummer der insgesamt rund 15 aktiven Ehrenamtlichen umgestellt. Wer wann wie lange Dienst hat, bestimmen die Helferinnen aus dem ganzen Ostallgäu weitgehend selbst. 'Deshalb bleiben die Ehrenamtlichen auch meist lange dabei', erklärt die Leiterin des Frauenhauses, Doris Wenzel.

Menschlichkeit gefragt

Vorkenntnisse sind nicht nötig, dafür aber 'Menschlichkeit und Einfühlungsvermögen' erklärt Stadel-Hahn auf Schorers Frage. Alles Weitere wird bei einem Einführungsabend und den regelmäßigen Treffen erklärt. Zudem gibt es bei Bedarf professionelle Supervisionen, ergänzt Wenzel. Denn meist stecken schlimme Geschichten hinter einer Aufnahme ins Frauen-haus. Darüber, über die Finanzierung und vieles, mehr informiert sich die Landtagsabgeordnete. Sie spricht viel mit Anke, erfährt von ihrem knapp dreimonatigen Aufenthalt im Frauenhaus, in dem sie und die Kinder endlich wieder zur Ruhe kamen und mit Hilfe der fest angestellten Mitarbeiter Lösungen fanden. Schorer unterhält sich aber auch angeregt mit Stadel-Hahn.

Denn ohne die Ehrenamtlichen, betont die Geschäftsführerin des Sozialdienstes katholischer Frauen, Martina Kobriger, wäre der Betrieb des Frauenhauses nicht möglich.

Interessierte melden sich im Frauenhaus unter Telefon (08341) 16616.

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