Faschingswagen
Manchem Narren vergeht das Lachen bei den Sicherheitsauflagen für die Umzugswagen

Faschingswagen haben oft ausgefallene Mottos und auf manchen thronen aufwendig gebastelte Paradiesvögel, Ritter oder Clowns. Bei Umzügen rollen sie derzeit wieder durch die Straßen. Tage-, nächte- oder sogar wochenlang werkeln Vereine an ihren Schmuckstücken. Doch dem einen oder anderen ist der Spaß daran inzwischen vergangen. «Es ist ein immenser Aufwand, bis alle Auflagen erfüllt sind», sagt Werner Miller aus Füssen.

Gemeinsam mit Kollegen vom Füssener Bauhof hat Miller jahrelang mit einem Faschingswagen an Umzügen teilgenommen, inzwischen jedoch nicht mehr. «Ich habe zwar Verständnis, dass die Behörden mit strengen Richtlinien für Sicherheit sorgen wollen», erklärt er. Inzwischen schrecke er aber vor der Verantwortung zurück.

Dass die Zahl der Faschingswagen bei Umzügen zurückgeht, haben Veranstalter im Allgäu bisher nicht festgestellt. «Bei uns waren in den vergangenen Jahren konstant 30 Fahrzeuge dabei», so Manfred Müller, Präsident der Faschingsgesellschaft Dietmannsried (Oberallgäu). Auch beim Gaudiwurm in Marktoberdorf, der zu den größten Umzügen in Schwaben zählt, sowie in Fischen (Oberallgäu) und Engetried (Unterallgäu) hat sich die Zahl kaum geändert.

Manfred Prexl, Präsident des Faschingsvereins Engetried, befürchtet jedoch: «Werden die Auflagen noch strenger, wird es die Umzüge von heute in dieser Art in zehn Jahren nicht mehr geben.»

Die Veranstalter des Füssener Nachtumzugs hätten gerne Faschingswagen dabei. Marcel Blankenburg, Vorsitzender des Füssener Faschingsvereins, sagt jedoch: «Das können wir uns finanziell nicht leisten.» Dort gelten die selben Auflagen wie für andere Umzüge. Blankenburg rechnet vor: «Ohne die Wagen kostet uns der Umzug zwischen 1500 und 2500 Euro.» Bei fünf bis sechs Fahrzeugen wäre man locker bei 3000 bis 3500 Euro. «Ich muss für die Wagen nicht nur eine Versicherung abschließen», sagt Blankenburg. Sie müssten auch zugelassen sein. Werden die Fahrzeuge «wesentlich verändert», ist laut Kreisbehörde ein Gutachten nötig.

Die Landkreise und kreisfreien Städte im Allgäu regeln weitgehend einheitlich, was bei Faschingswagen erlaubt ist (siehe Infokasten). Schwere Unfälle mit närrischen Gefährten registrierte die Polizei im Ober- und Ostallgäu sowie dem Kreis Lindau in den vergangenen Jahren nicht. «Das beweist, dass sich die strengen Vorgaben bewährt haben», so Alexander Resch, Pressesprecher der Polizei in Kempten. Kleinere Vorfälle gebe es immer wieder, manche würden aber gar nicht gemeldet.

Kein Grund für Verschärfungen

Im Ost- und Oberallgäu sowie im Kreis Lindau sind die Richtlinien in den vergangenen Jahren kaum verändert worden. «Für Verschärfungen gab es bisher keinen Grund», erklärt Susanne Kettemer, Sprecherin des Ostallgäuer Landratsamts.

Im Unterallgäu reagierte die Behörde auf zwei Unfälle, bei denen sich 2006 zwei Menschen schwer verletzten: Im einen Fall wollte ein Mann auf einen Wagen aufspringen, rutschte ab und geriet unter die Räder. Im anderen Fall fiel eine Frau von einem Gefährt herunter, weil ein Geländer nicht richtig befestigt war. «Man überlegt sich, wie man für noch mehr Sicherheit sorgen kann», erklärt Ulrike Klotz von der Abteilung für Öffentliche Sicherheit und Ordnung. Seit 2007 gilt daher: Während des Umzugs laufen Begleitpersonen neben den Wagen. Sie sollen verhindern, dass Personen auf das Gefährt hinauf oder herunter springen, so Klotz.

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