Kunsthalle Kempten
Mal fest, mal fragil

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Es ist leicht, transparent, fragil. Deshalb ist es nicht einfach, mit Papier künstlerische Ausrufezeichen zu setzen. Elf Mitglieder des Berufsverbandes Bildender Künstler Schwaben-Süd haben es dennoch geschafft. Sie dürfen – nach einer internen Jurierung – in der Kunsthalle Kempten zeigen, was sie mit dem Material anzufangen wissen.

Wie zu erwarten, ist das Spektrum breit. Es reicht von leisen Collagen bis zu beredten Mahnmalen. Auf dem Boden, an den Wänden und in der Luft ist ein papierenes Kaleidoskop arrangiert, das einmal mehr zeigt, dass Allgäuer Künstler ihre Hände am Puls der Zeit haben.

Etwa Peter Schlosser. Er arrangiert gebrauchtes Papier zu abstrakt-reduzierten Bildern im kleinen Format, die er klug rahmt. Ähnlich leise-poetisch verarbeitet Werner Merzhäuser geschöpftes Papier und Pappmaché. Allerdings betont er die haptische Seite des Materials und erzeugt Spannung mit Farbpunkten und grafischen Elementen.

Des Grafischen bedienen sich auch etliche andere Aussteller – vielleicht bietet sich Papier dafür besonders an. Anne Meßmer-Steinmann verbindet Grafik in ihren Papier-auf-Holz-Impressionen mit Farbe, Ursula Horstkotte kombiniert sie mit Scherenschnitten. Fast ein Gemälde hat Stephan Rustige geschaffen. Er bringt Pigmente auf sein Papier, was eine reliefartige Anmutung erzeugt. So richtig Farbe ins Spiel bringt Renate Bühr. Ihre kleinteiligen Collagen mit gebrauchtem Papier sind hochempfindsame Arbeiten mit einer eigenständigen Sprache. Durch schichtweisen Auftrag und Übermalungen gibt sie den Papierarbeiten eine unerwartete Tiefe.

Ganz anders ist Hans Günter Stephan das Thema angegangen. Er macht deutlich, dass im Papier viel Wasser steckt. Schwarzweiß-Fotos hat er zu Bahnen kompiliert und auf dem Boden ausgelegt. Ebenfalls auf dem Boden: Monika Petris 'Von der Rolle', eine witzig-doppeldeutige Arbeit. In die Luft geht dagegen Brigitte Hafer mit ihrem 'Ringelspiel' aus gefaltetem Japanpapier. Eine paradox wirkenden Verbindung von Ordnung und Unordnung, von Struktur und Chaos. Fast wie eine Ballon-Variation wirkt Gerhard Mengers 'Hybride Figur' aus schwarzem Papier.

Eine moralisch-politische Stellungnahme von großer Kraft ist Elisabeth Baders 'Requiem'. Sie hat amerikanische Zeitungen vom 11. September 2001 mit Heißkleber, Silikon und Tusche in Gebilde verwandelt, die das Stahlskelett der damals zerstörten World-Trade-Gebäude ebenso widerspiegeln wie den Asche-Regen, der auf New York niederging.

Bis 28. Mai (geöffnet Donnerstag und Freitag 16 bis 20 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertag 12 bis 18 Uhr)

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