Maiglöggli und Quetschgeiger

Von Veronika Krull
| Bad Hindelang Die Gastgeber traten durchweg in kurzen (Leder-)Hosen an - sommerlicher Optimismus im Frühherbst? Immerhin auffällig, dass sie sich ausnahmslos um den braun gekachelten Ofen drängten. Aber, um der Wahrheit die Ehre zu geben: Die stattliche geraniengeschmückte Wärmequelle war nur aus Pappmaché und gehörte zur Kulisse des traditionellen Hindelanger Lieder- und Jodlerabends «Singe - Johle - Musiziere». Und die «Ostrachtaler Büebe», die zum 30. Mal das internationale Musikantentreffen veranstalteten, wussten wohl aus Erfahrung um die schweißtreibenden Auftritte auf der voll besetzten Bühne.

Ebenso voll besetzt präsentierte sich ihnen der Saal des Bad Hindelanger Kurhauses, in dem sich das halbe Ostrachtal versammelt haben musste. Denn auf die Frage des Mundart-Moderators Klaus Braunsch, wer sich denn als Gast oder Schwabe eingefunden habe, ging zögerlich gerade mal eine Handvoll Finger in die Höhe. Was natürlich den «Ansager» in seiner Absicht bestärkte, weiterhin so zu schwätzen, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Pech für die Bühnenpartner aus Oberbayern, der Schweiz und Österreich: Sie blickten bei manch launiger Anmerkung zu Allgäuern, Schwaben und Chinesen etwas ratlos in die Runde.

Umso mehr gingen sie aus sich heraus, wenn die Mitmusikanten aufspielten. So klopften die beiden fröhlichen Saitenkünstlerinnen der umjubelten Klagenfurter «Quetschgeiger» mit den Füßen fleißig den Takt, als die «Frasdorfer Tanzlmusi» aus dem Chiemgau eine rasante Polka vorgab. Die drei Unterreitfelder Sängerinnen, ebenfalls aus Oberbayern und im schmucken Dirndl, lauschten wiederum gebannt, wie die «Lanzenbacher Bergmusikanten» aus Steibis unter dem prüfenden Blick eines Fuchskopfes an der (Papp-)Wand einen geruhsamen Ländler vorführten. Und der Schweizer Jodl-Club «Maiglöggli», adrett in grau-schwarz, spitzte die Ohren, als die Ostrachtaler Veranstalter, mit ihrem stimmstarken Vorjodler Michl Stich vorneweg, einen sauberen Naturjodler anstimmten.

Die fachkundigen Zuhörer, die meisten ebenso im Trachtengewand wie die Sänger, Jodler und Musikanten, genossen das bunte Progamm gleichermaßen. Sie ließen sich vom ansteckenden Swing der frisch aufspielenden «Quetschgeiger» mitreißen, staunten über die kristallklaren Jodler der beiden «Maiglöggli»-Sängerinnen, die unter den rund 20 Männern den Ton angaben, und freuten sich «sakrisch» mit den Unterreitfelderinnen, die den «herzliebsten Schatz» besangen. Natürlich wurde jede Gruppe am Ende zu einer Zugabe «genötigt» -und damit fast drei Stunden vergnüglicher Unterhaltung erklatscht.

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