Füssen
Männergesang - rund und wohl durchdacht

Trotz Starkregens pilgerten so viele Musikfreunde - darunter Günther Rehle, der Vorsitzende des Sängerkreises Ostallgäu, sowie Bürgermeister Paul Iacob mit Ehefrau Iris - hinauf zum Hohen Schloss, dass der Rittersaal gefüllt war beim Jahreskonzert des Männerchores Liederkranz Füssen.

Und die Zeit verging im Flug mit einem runden und wohldurchdachten Programm voller historischer Anklänge zur Landesausstellung.

Wenn Fürsten feiern

Zum schwungvollen Eröffnungsstück, der Fanfare von Lorenz Maierhofer, wurde dem Rittersaal besondere Reverenz erwiesen: Herzöge und Prinzessinnen der Wittelsbacher Fürstengruppe schritten durch den Raum und versetzten das Publikum in die Zeit der Renaissance, als in eben diesem Saal höfische Feste gefeiert wurden.

«An hellen Tagen, Herz welch ein Schlagen»: Das Tanzlied des Mailander Meisters Giovanni Gastoldi, passte wunderbar zu dem Auftritt und wurde von Chor wie die anderen Lieder aus jener Zeit a cappella gesungen. «Lauten und Geigen - sie sollen nicht schweigen» heißt es in Hans Leo Hasslers sehr variabel und beweglich vorgetragenem Tanzlied. Magnus Lipp als Moderator stellte dazu kenntnisreich die Bezüge zur Heimatstadt her.

Äußerst fortgeschritten für ihre 13 Jahre übernahm Jessica Peters die Violin-Zwischenspiele zu Haydns «Abendstund» im klassischen Teil. Vom Können der Chorleiterin Gisela Reichherzer zeugt das charmante, zurückhaltende Dirigat, die scheinbare Leichtigkeit, mit der sie die Herren führt - wie in Mozarts beschwingtem «Was frag ich viel nach Geld und Gut» und «O Isis und Osiris», der Hymne auf der Weisheit neuen Geist, einem Fest voller Macht und Würde für die Bässe.

«Füssen war auch eine Uhrmacherstadt», klärte Magnus Lipp die Zuhörer auf über technische Errungenschaften, die sich heute in den großen Museen von Wien und London befinden.

Dazu interpretierte der Chor «Ich trage, wo ich gehe, stets eine Uhr bei mir», die ans Gemüt gehende Ballade von Carl Loewe, in Tempi und Stimmungen dem romantischen Charakter des Werks angepasst.

Zum Höhepunkt vor der Pause trat Professor Herbert Wiedemann, der langjährige treue Begleiter des Liederkranzes, als Solist auf. Chopins vielgeliebte Fantasie, das Impromptu Op.66, elegant, turbulent und hauchzart zugleich, war einfach hinreißend.

Im «Czardas» des Neapolitaners Vittorio Monti trat er eher zurück und überließ den Glanz der jungen Geigerin Jessica. Jubel und Bravo-Rufe belohnten sie im ehrwürdigen Saal für das virtuose Stück.

Das feine deutsche Liedgut für Männerchöre zu bewahren, ist Anliegen des Liederkranzes. Aus Friedrich Silchers Liedern entstand diesmal mit Wiedemanns Übergängen am Flügel eine flotte, bewegte Suite. Mit der Sehnsuchtsmelodie von Tosellis «Seranata» sang sich Gisela Reichherzer als Solistin bis in zauberhafte Höhen in die Herzen des Publikums.

Auch die sonoren Klänge eines Bergsteigerchors im so sehr unter die Haut gehenden «Signore delle Cime» beherrscht der Chor, dazu in angenehm weichem italienisch gesungen. Ebenfalls von Bepi de Marzi stammt «Benia Calastoria», das in hartem, effektvollem Fortissimo endende Bergsteigerlied.

Zur Auflockerung und Erheiterung durfte dann mit viel Spaß und Witz der Hahn von Onkel Giacometo (Richard Trares) sein Unwesen im Gegacker des Hühnerhofs treiben.

Nach dem «Ahndl» etwas Jazz

Traditionell und modern zugleich machten die an kroatischen Volksweisen orientierten Melodien von Arnold Kempkens Lust auf Urlaub, rhythmisch, fröhlich, und zum guten Schluss mit Zungenbrechern gespickt. Als ganz besonders schön lobten Zuhörer das so breit gefächerte Konzert und genossen die Zugaben, das «Ahndl» aus dem Vogelhändler in Erinnerung an das Operettenthema im Vorjahr und die Eingangsfanfare, «wie wir sie lieben», nämlich verjazzt.

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