Mächtige Strahlbögen in das feindliche Element

Von Benjamin Schäling | Obergünzburg 'Wieder ist unser Markt von einem Großfeuer heimgesucht worden.' Mit diesen unheilvollen Worten beginnt ein Zeitungsartikel im 'Obergünzburger Tagblatt' vom 5. Februar 1908. Tags zuvor hatte eine Feuersbrunst die örtliche 'Lenzbrauerei' am Oberen Markt bis auf die Grundmauern vernichtet. Am vergangenen Montagabend genau 'zur elften Stunde' jährte sich dieses Unglück zum 100. Mal.

Die Brauerei war im Jahr 1811 vom Handelsmann Johann Epple aus Dietmannsried gegründet worden und entwickelte sich zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor am Ort. 1868 kaufte Lorenz Lenz aus Kempten die Brauerei. 1891 wurde Constantin Lenz durch Heirat mit Walburga Lenz zum Besitzer der Brauerei. 27 Jahre lang war er Inhaber des Unternehmens, bevor er es 1918 an Konrad Lenz übergab. Dieser betrieb die Brauerei, die nach dem Brand von 1908 an gleicher Stelle wieder aufgebaut worden war, allerdings nicht, sondern verkaufte sie im Jahr 1919 an die Rosenbrauerei Kaufbeuren, wie der Obergünzburger Heimatkundler Herbert Kößler weiß.

Die Chronik der Feuerwehr Obergünzburg gibt im Protokoll der Brandnacht im Februar 1908 auch so einige interessante Details preis. So sind Entstehung und Ursache des Brandes weithin unbekannt. Gesichert ist jedoch die Erkenntnis, dass das Feuer um '10.15 Uhr nachts' ausbrach und die Wehr durch 'Feuer'-Rufe, Glocken- und Trompetensignale alarmiert wurde. Als sie eintraf, stand der 'Bodenraum des Brauereigebäudes' in Flammen.

1690 Meter 'Schlauchmaterial'

Insgesamt kamen laut Feuerwehrchronik genau 484 'Hilfsleistende' bei dem Großbrand zum Einsatz. Die Chronik weiß sogar, dass rund '1690 Meter Schlauchmaterial' eingesetzt wurden und die Brandwache ganze neun Nächte dauerte.

Die in der Nacht herrschende Kälte und der auf den 'Dächern der Nachbarobjekte liegende Schnee' verhinderten laut örtlichem Berichterstatter des Tagblatts ein Übergreifen auf andere Häuser. Außerdem 'sendeten sämtliche Spritzen in mächtigen Strahlbögen das Wasser in das gefahrdrohende feindliche Element'. Am nächsten Tag war das Gebäude trotz aller Bemühungen eine Ruine.

Constantin Lenz entstand durch diesen Brand trotz Versicherungsschutzes ein 'unberechenbarer Schaden', wie der Reporter des Tagblattes wusste. Dieser war sich auch sicher, dass es länger währen würde, bis 'uns wieder das gewöhnte und liebgewordene Getriebe daran erinnert, dass auch für den Nachbarn die Zeit zum Beginn des Tageserwerbes gekommen'. Doch schon am 15. Juni des Brandjahres schreibt die Zeitung vom neuen 'imponierenden 27 Meter hohen Kamine' der wieder entstehenden Lenzbrauerei.

Seit einigen Jahrzehnten nun beheimatet das Gebäude ein Wohnhaus. An die Brauerei erinnert heute noch der 'Lenzkeller', der damals als Lagerstätte für das Bier diente.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

3 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Powered by Gogol Publishing 2002-2019