Literaturhaus kostet zehn Prozent mehr

Immenstadt (ho). Dass die Sanierung der historisch wertvollen ehemaligen gräflichen Reitschule - sie soll wie berichtet in ein attraktives Literaturhaus verwandelt werden - eine 'überaus schwierige und komplizierte' Baumaßnahme (Bürgermeister Bischoff) ist, bekommt jetzt Immenstadts Stadtsäckel zu spüren: Das Gesamtprojekt wird voraussichtlich 3,4 Millionen Euro kosten und damit um knapp zehn Prozent teurer werden als geplant. Gründe sind im wesentlichen unvorhersehbare 'Überraschungen' im alten Gemäuer, Denkmalschutz-Wünsche und die Mehrwertsteuer-Erhöhung.

Als der Stadtrat vor einem Jahr die Umwandlung des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes in ein Domizil für die Stadtbücherei absegnete, hatte er die Kosten (einschließlich Grundstück, Erschließung, und Neugestaltung des gesamten Umfelds) bei 3,1 Millionen Euro 'gedeckelt'. Hartmut Wimmer, Geschäftsführer der mit der Betreuung des Projekts beauftragten Firma 'Alpstein', erläuterte dem Bauausschuss, warum diese Summe nicht zu halten ist.

So habe sich gezeigt, dass die Außenwände teilweise 'in der Luft' hingen, weshalb das Gebäude schrittweise und mühsam unterfangen werden musste (was 18 500 Euro kostete). Der Dachstuhl präsentierte sich bei der Freilegung wesentlich maroder als erwartet, weshalb sehr viele der tragenden Balken ersetzt werden müssen (25 000 Euro). Darüber hinaus muss er um zwölf Zentimeter angehoben werden (17 000 Euro), weil er im Laufe der Jahrhunderte etwas abgesackt war.

Allein die Mehrwertsteuer-Erhöhung schlägt im Literaturhaus mit 55 000 Euro zu Buche, und für zusätzliche Untersuchungen durch Bauhistoriker und Archäologen werden weitere 35 000 Euro Honorare fällig. Bei der technischen Ausstattung machen sich die allgemein gestiegenen Preise bemerkbar (58 000), wobei Hartmut Wimmer aber anstrebt, durch Kompensationsmaßnahmen Einsparungen zu erzielen.

Historischen Putz erhalten?

Noch nicht entschieden ist, ob - wie das Amt für Denkmalschutz vorschlägt - tatsächlich versucht werden soll, den innen am historischen Mauerwerk entdeckten Putz durch ein ganz neues Verfahren zu erhalten. Das würde, so vermutet Wimmer, 75 000 Euro teurer als die herkömmliche Ausführung (neu verputzen) - 'und das kann eine normale Kostenschätzung nicht verkraften'. Die würde zwar nämlich für das Gesamtprojekt technisch immer noch funktionieren, aber eben nicht unter Berücksichtigung der vielen kostenaufwändigen Denkmalschützer-Wünsche.

Hohe staatliche Förderung

Dazu betonte Bürgermeister Gerd Bischoff, der Staat fördere den Umbau der gräflichen Reitschule so hoch, dass man der Fachbehörde natürlich auch zugestehen müsse, 'begleitend mittätig zu sein'. Außerdem sei bei der Sanierung sehr alter Gebäude eine zehnprozentige Erhöhung 'durchaus im Bereich des Üblichen'. Und schließlich er sei 'guten Mutes', dass Immenstadt auch für diese Kostenmehrung auf eine Nachförderung hoffen könne.

Das sei aber schon 'eine gewaltige Verteuerung', bedauerte Rudolf Seber (Die Aktiven), und Max Spettel (CSU) gab sich skeptisch: 'Wer garantiert uns, dass das die letzte Erhöhung ist?'. Eigentlich habe er beim Baubeschluss gedacht, solche unwägbaren Mehrkosten seien bereits mit einkalkuliert, betonte Paul Hartmann (CSU) und fragte, ob 'man damals Angst vor der Wahrheit gehabt hat?'

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