Interview
Lindenberger spenden 1012 Euro für Hungernde in Afrika

Da staunten Tina Lüddecke und Pater Friedbert Tremmel, als sie gestern die prall gefüllte Sammelbox öffneten. Ein stattliches Häuflein von Euro- und Centmünzen bildete sich auf dem Tisch, und drum herum viele Scheine. Vorwiegend Fünfer, aber auch größere, und zwei Hundert-Euro-Scheine.

Insgesamt haben die Menschen auf Lindenbergs Straßen und im Weltladen Lindenberg im Verlauf einer knappen Woche 1012 Euro in die Spendendose gesteckt, um damit den Hungernden in Afrika zu helfen. Tina Lüddecke, die die Straßensammlung im Auftrag des Weltladens durchführt, will ihre Aktion eventuell auf andere Orte ausweiten. Das erzählte sie im Interview.

Ist die Hungerkatastrophe der erste Anlass, für den Sie mit einer Sammeldose auf die Straße gehen?

Tina Lüddecke: Nein, ich habe früher in Ulm gewohnt. Dort habe ich auch mal für den Tierschutz und für den Kinderschutz gesammelt.

Sie haben Ihre Aktion am letzten Samstag gestartet. Wie viele Stunden waren Sie seitdem unterwegs?

Lüddecke: 15 Stunden vielleicht. Ich gehe fast jeden Tag. Sporadisch, wie es gerade geht, so eine oder zwei Stunden. Morgen (am heutigen Samstag, Anm. d. Red.) bin ich wieder auf dem Wochenmarkt.

Was war der Auslöser für die Straßensammlung?

Lüddecke: Dadurch, dass ich im Weltladen ehrenamtlich tätig bin, erfahre ich viel über die schlimme Situation Afrika. Das macht mich einfach traurig. Weil ich mich so ohnmächtig gefühlt habe, suchte ich nach Ideen, etwas zu tun. Eine Staßensammlung ist eine gute Möglichkeit für Menschen, die nicht gleich Summen überweisen wollen, aber die spontan sagen: Da geb ich auch was. Ursprünglich wollte ich für eine Organisation wie Humedica sammeln. Aber dann habe ich in der Zeitung über Bruder Friedbert von den Comboni-Missionaren gelesen. Die haben Erfahrung in Afrika und sind auch in Lindenberg vor Ort. Deshalb hab ich mich an ihn gewandt.

Wie sprechen Sie die Passanten an?

Lüddecke: Unterschiedlich. Ich frage einfach: Spenden Sie für die Hungernden in Afrika? Oder ich sage: Jeder Euro kann Leben retten. - Es hängt immer ein bisschen davon ab, wie die Menschen mir begegnen.

Ergeben sich manchmal Gespräche?

Lüddecke: Ja. Und interessanter Weise sagen viele Leute spontan etwas Positives über die Comboni-Missionare. Über sie habe ich viel erfahren, zum Beispiel, wie lebendig die Gottesdienste in Mellatz sind. Das hat mich ganz neugierig gemacht. Obwohl ich sonst nicht die typische Kirchgängerin bin.

Und wie reagieren die Menschen auf Ihre Spendenbitte?

Lüddecke: Zum allergrößten Teil positiv. Ich hab zum Beispiel eine Frau getroffen, von der ich weiß, dass sie selbst nicht so viel hat. Die hat gesagt: << Einen oder zwei Euro kann doch jeder geben. >> Nur ganz wenige weisen mich ab.

In welcher Form?

Lüddecke: Indem sie einfach vorbeigehen oder knapp Nein sagen. Ich lasse mich jedenfalls nicht auf Diskussionen ein. Das bringt erfahrungsgemäß nichts.

Wissen Sie, was genau mit den Spendengeldern passiert?

Lüddecke: Die Comboni-Missionare in Afrika kaufen Aufbaupräparate für die Hungernden und Bohnen und Mais. Lebensmittel, mit denen man viele Leute satt bekommt. Und natürlich frisches Wasser. Denn einige Brunnen sind schon ausgetrocknet. Das Geld kommt schnell und ohne Abzüge bei den Notleidenden an.

Welche persönlichen Erfahrungen machen Sie beim Sammeln von Spenden?

Lüddecke: Ich spüre, wie viele Menschen wirklich bedrückt sind wegen der schlimmen Not in Afrika. Und wie gerne sie helfen möchten. Mir persönlich tut es gut, etwas unternehmen zu können. Dann fühle ich mich nicht mehr so ohnmächtig.

Wie lange läuft Ihre Sammlung noch?

Lüddecke: So lange, bis ich spüre, die Bereitschaft lässt nach. Ich will ja nicht aufdringlich sein. Ich hab mir schon Gedanken über andere Plätze oder andere Uhrzeiten gemacht. Bisher bin ich an den Einkaufsmärkten unterwegs. Ich könnte aber auch in anderen Orten sammeln.

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