Serie
Linda Haag: Doppeltes Spiel

Krimis haben Schüler des Bernhard-Strigel-Gymnasiums im Rahmen ihres Projektseminars verfasst. Nachdem eine öffentliche Lesung in der Buchhandlung Osiander stattfand, veröffentlichen wir in einer Serie nun eine Auswahl ihrer Werke. Heute ist Linda Haags 'Doppeltes Spiel' an der Reihe. 'Du musst sie umbringen.'

Marc war geschockt:
'Was? Addison umbringen? Nein, sie ist immer noch meine Frau!'

'Aber die E-Mail. Wir müssen etwas tun.' Melanie überflog noch einmal die Nachricht von Lea, der besten Freundin und Geschäftskollegin von Addison. Sie hatte sich klar ausgedrückt. Entweder Marc sagte Addison die Wahrheit über seine Affäre und die Geldmengen, die er von ihrem Geschäftskonto abgezweigte, oder sie würde es tun.

'Aber sie töten?'

'Du hast Recht, der Verdacht würde sofort auf uns fallen. Also müssen wir ihr einen Mord anhängen.'

Marc runzelte nur verständnislos die Stirn.

'Lea weiß zu viel. Also muss sie aus dem Weg geschafft werden. Niemand stellt sich zwischen dich und mich.'

'Aber, ich dachte'

'Verstehst du nicht? Wir bringen Lea um und hängen es dann Addison an.'

'Wie?'

'Ganz einfach. Ich habe einen Plan.'

Marc und Melanie warteten die Nacht ab. Er verbrachte den Abend bei seiner Frau. Zur Sicherheit hatte er ihr ein Schlafmittel verabreicht. Als sie eingeschlafen war, rief er, wie schon so viele Male, Melanie an und traf sich mit ihr. Doch dieses Mal fanden sie sich vor dem Haus wieder, in dem Lea lebte. Es war eine schäbige Gegend. Niemand beachtete sie auf ihrem Weg zur Tür. Marc klopfte. Melanie hob die Pistole. Lea öffnete die Tür. Kein Zögern. Der Schuss kam schnell und gezielt. Leas Körper fiel zu Boden. Alles verlief genau nach Plan. Während Marc sich an der Leiche zu schaffen machte und den Ärmel der blauen Lieblingsbluse seiner Frau an die Kopfwunde hielt, damit das Blut den Stoff benetzte, löschte Melanie die E-Mail. Schnell verließen sie wieder die Wohnung und fuhren zu Marcs Haus. Im Schlafzimmer legte er die Bluse auf die Kommode neben dem Bett und drückte die Waffe seiner schlafenden Frau kurz in die Hand. Während Marc die übrigen Indizien anbrachte, beobachtete Melanie das Geschehen vom Auto aus auf ihrem Laptop. Die Überwachungskameras im gesamten Haus hatte Addison installieren lassen, als sie fürchtete, ihren Mann an eine Andere zu verlieren. Zugriff auf die Videos zu bekommen war nicht schwer gewesen. Melanie vergewisserte sich, dass das Geld und ihr neuer Ausweis im Handschuhfach lagen. Als sie sah, wie Marcs Gesicht sich schließlich einer der Kameras zuwandte, schickte sie das Video mit einem Lächeln ab und startete den Wagen Richtung Flughafen.

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