Brunftzeit
Liebestolle Rehe machen Unterallgäuer Straßen unsicher

«Liebe macht blind», sagt ein altes Sprichwort. Das gilt nicht nur für Zweibeiner. Zurzeit ist es insbesondere das Rehwild, auf das diese Volksweisheit projiziert werden kann. Die Waldbewohner befinden sich in der Brunft, die in der Fachsprache auch Blattzeit genannt wird. Normalerweise kommen die Hormone bei den Rehen während der heißen Tage gegen Ende Juli in Wallung. In diesem Jahr scheinen jedoch die kalten Temperaturen und der viele Regen Schuld daran zu sein, dass die Brunft noch über die Mitte des August hinaus geht.

Verfolgungsjagden

Das ist die Zeit, in der es auf unseren Straßen besonders gefährlich ist. Blind vor Liebe queren die Tiere nicht nur in der Dämmerung die Fahrbahnen. Auch tagsüber springen sie unverhofft auf die Straße. Das hängt mit dem aufwändigen Liebeswerben der anmutigen Tiere zusammen. Bei der Annäherung eines Rehbocks ergreift die paarungsbereite Geiß (so nennt man ein weibliches Tier) zunächst die Flucht. Kilometerweite, durch Wald und Feld führende Verfolgungsjagden sind dabei keine Seltenheit. Und weil es dabei auch über die Straßen geht, kommt es nicht selten zum Zusammenprall mit Fahrzeugen. Daher ist zurzeit eine vorsichtige Fahrweise anzuraten. Insbesondere auf Landstraßen, die von Wäldern und Feldern gesäumt sind.

Deshalb gilt es einige Regeln zu beachten: Langsam fahren, von Fernlicht auf Abblendlicht umschalten, keine Lichthupe betätigen, die akustische Hupe hingegen kann helfen.

Unfälle der Polizei melden

<< Für den Fall, dass es trotz allem zu einer Kollision kommt, gibt es feste Regeln >>, sagt Andreas Ruepp, Vorsitzender der Memminger Kreisgruppe im Bayerischen Jagdverband. << Es besteht nach dem Jagdgesetz die Pflicht, Unfälle mit Wild bei der nächsten Polizeidienststelle oder beim Jagdberechtigten zu melden. Zudem sind Hindernisse, die bei Wildunfällen entstehen, zu beseitigen oder abzusichern >>, sagt der Buxheimer.

Wichtig ist auch, so Ruepp, dass die Stelle, an der ein verletztes Reh geflüchtet ist, mit einem Taschentuch oder mit Kreide aus dem Verbandskasten markiert wird. << Nur dann haben wir die Möglichkeit, das Tier zu finden. >>

Hauptkommissar Josef Eberhard von der Polizeiinspektion in Mindelheim bestätigt die derzeitige Gefahr: << Im Jahr 2010 hatten wir im Unterallgäu - ohne das Stadtgebiet Memmingen - insgesamt 841 Wildunfälle. 633 davon mit Rehen, Rot- und Damwild, wobei letztere nur eine untergeordnete Rolle spielten. >> Dabei gab es auch zwei schwerverletzte Kraftfahrer. Hauptkommissar Manfred Guggenmos von der Memminger Polizeiinspektion beziffert die Unfälle mit Rehen im Stadtgebiet mit 30 im vergangenen Jahr. << Dabei gab es Gott sei Dank keine verletzten Personen >>, sagt der Sachbearbeiter Verkehr.

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