Bregenz
Liebesleid sorgt für Sternstunde

Sie gilt als die metaphysischste Liebesoper aller Zeiten und der zweite Aufzug von «Tristan und Isolde» ist für eingefleischte «Wagnerianer» der «Insel-Akt» schlechthin. In ihm scheinen die Gattungsgrenzen zwischen Oper und Symphonik aufgehoben, was eine Wiedergabe im Konzertsaal mehr als rechtfertigt. Richard Wagner schuf mit «Tristan & Isolde» die wohl sublimste musikalische Expression von Liebesleid und Todessehnsucht, von Sinn und Sinnlichkeit - so heißt auch das dramaturgische Motto der diesjährigen Bregenzer Festspiele. Der zweite Aufzug im Festspielhaus geriet unerwartet zum herausragenden Musikereignis, dank kongenialer Rahmenbedingungen.

Hervorragend disponiert die Wiener Symphoniker, die unter der hochkonzentrierten und ausdrucksvollen Stabführung von Markus Stenz das Rauschhafte der «Tristan»-Musik in große emotionale Bögen spannten. Trotz Festspiel-Dauereinsatz mit «Aida», «König Roger» und zahllosen Nebenverpflichtungen zeigten sie keinerlei Ermüdungserscheinung und verwandelten das Festspielhaus akustisch in einen «Wagner-Klangtempel».

Ein Solistenensemble von Weltformat konnte «alles» geben - es folgte nun mal kein im wahrsten Sinne «halsbrecherischer» dritter Aufzug - und tat dies auch: Die aus Litauen stammende Violetta Urmana gehört nach ihrem gelungenen Fachwechsel - noch vor wenigen Jahren war sie eine umjubelte «Kundry» in Wagners «Parsifal» - zu den ganz großen «Isolden» unserer Zeit. Makellos in Diktion und Technik verströmte sie ausdrucksvollsten Schönklang.

Mit Petra Lang stand ihr eine der weltbesten Brangänen zur Seite. Hochmusikalisch und emotional überzeugend setzte sie mit ihrem farbigen Mezzo-Timbre dramatische Höhepunkte.

Als «Blitz-Einspringer» (nach krankheitsbedingten Absagen von Robert Gambill und Peter Seiffert) gab der Brite Ian Storey einen überzeugenden «Tristan», mit tenoralem Heldenkern und schier unglaublicher Kraft. Aufhorchen ließen auch der stimmgewaltige Bass des jungen Österreichers Günther Groissböck in der Rolle des König Marke sowie Ronald Samm als köstlich sinistrer Melot.

Langanhaltender Applaus und Bravos für Sänger, Orchester und Dirigenten machten diesen Abend zu einer Sternstunde.

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