Marktoberdorf
Liebesgrüße nach Marokko und Aufpasser aus Leningrad

Wenn sich eine Amerikanerin in einen Marokkaner verliebt, ist das von der Sprache her schon nicht unproblematisch. Aber in Marktoberdorf kann so eine Liaison funktionieren. Denn bei den Pfingstfestivals für Chöre und geistliche Musiker vollzieht sich auch manches kleine Sprachenwunder. Von einem solchen berichtete Familie Baar nun bei einem Treffen von rund 40 Gasteltern, die bei Chorwettbewerb oder Musica Sacra Musiker aus aller Welt beherbergt hatten. Der Gymnasiallehrer Hermann Baar übersetzte vor einigen Jahren die englischen Liebesbriefe der jungen Jessica aus Pittsburgh an «ihren» Marokkaner ins Französische.

Affäre schnell vergessen

Mit dem «Moroccan husband» wurde es dennoch nichts: Monate später erfuhren die Baars, dass der Afrikaner die Marktoberdorfer Affäre mit der Amerikanerin schnell vergessen hatte. Geschichten wie diese erzählten Gasteltern im Vorfeld des Internationalen Chorwettbewerbs, der heuer 20-jähriges Bestehen feiert.

Zu Beginn zeigte Festivalleiter Dolf Rabus bei dem Treffen im Mobilé einen Film. Darin wurden bisher zehn Kammerchor-Wettbewerbe und neun Festivals Musica Sacra lebendig. Zudem stellte er die diesjährigen Chöre vor und gab einen Ausblick auf Musica Sacra 2010.

Rabus betonte die Rolle der Gasteltern: «Sie haben die Chance, ganz nah dran zu sein an den Teilnehmern.» Das wurde in den folgenden Stunden bestätigt: Viele Geschichten wurden erzählt, immer wieder wurden Fotos hervorgekramt und es wurde viel gelacht. Monika Schubert, die von Anfang an als Moderatorin dabei war, erinnerte an die politischen Veränderungen seit 1989.

Den ersten Chören aus dem damaligen Leningrad war es verboten, an den abendlichen Zeltfeiern teilzunehmen: Man hatte Angst vor zu viel Westkontakten. Erst nach vielen Verhandlungen mit den «Aufpassern» durften die Sänger am letzten Abend das Zelt besuchen. Aus dem Kammerchor-Wettbewerb entstand auch die Petersburg-Hilfe, für die sich Schubert und viele Gasteltern jahrelang engagierten.

«Es bleibt immer ein gutes Gefühl,» erinnert sich Rosa Mair aus Immenhofen an viele Begegnungen mit Gästen. Seit sie 1989 den ersten Kammerchor-Wettbewerb besuchte, nahmen sie und ihr Mann immer wieder Gäste auf: Schweden, Russen, Amerikaner, Israelis, Argentinier, Koreaner waren schon in ihrem Haus. «Wir möchten ihnen ein Familiengefühl geben und sie sollen Deutschland in guter Erinnerung behalten. Wir erwarten das auch, wenn unsere Kinder im Ausland unterwegs sind», sagt sie. «Für uns ist das so bereichernd - wir lernen dabei so viel über andere Menschen.»

Urlaub im eigenen Haus

«Es ist wie Urlaub, wenn wir Gäste haben», bestätigt Helga Baar. Auch sie und ihr Mann nehmen seit 20 Jahren Gäste auf. «Uns war wichtig, unseren Kindern zu zeigen, dass es überall gute Menschen gibt.» Und das sei das Besondere an Marktoberdorf, hier hat man die Möglichkeit Menschen aus ganz anderen Kulturkreisen zu treffen. Auch Axel Maaß, Dritter Bürgermeister und mehrfach Gastvater, sagte: «Die Festivals sind Auslöser für internationale Kontakte. Man kann das nicht hoch genug einschätzen.»

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