Marktoberdorf
Liebe in Zeiten des Egotripps

Mit Liebeslügen, einer Komödie des amerikanischen Autors Michael McKeever, wurden die diesjährigen Abo-Veranstaltungen im Modeon eingeleitet. Das Stück führte die rund 500 Zuschauer in die Welt des Schauspielens, genauer gesagt in das Appartement der alternden Diva Mallory DuPre, die - exzentrisch und mit ausgeprägtem Hang zur Selbstdarstellung - am Nervenkostüm ihres sie managenden Sohnes Christian zerrt.

Als Mallorys bankrotter Vater, ebenfalls Schauspieler mit raumfüllender Persönlichkeit, einzieht, sind Konflikte und Reibereien vorprogrammiert. Wer nun actionreiche Verwicklungen und Situationskomik erwartete, der kam mit dem Stück allerdings nicht auf seine Kosten: Statt dessen geschliffene, oftmals geradezu sezierende Dialoge, die sowohl die egoistischen Auswüchse der einzelnen Charaktere entlarvten als auch die zunächst verborgenen Gefühle der Familienmitglieder zueinander - die Liebeslügen eben.

Dass es am Ende dennoch reichlichen Applaus gab, lag an den schauspielerischen Leistungen des hochkarätig besetzten Ensembles.

Allen voran Diana Körner, bekannt aus vielen Fernsehproduktionen: Sie zog in der Rolle der Mallory DuPre alle Register ihres Könnens, brachte die Allüren der Diva genauso überzeugend rüber wie ihre Probleme mit dem Älterwerden und ihren privaten Gefühlen. Zerbrechlich und verletzlich zeigte sie die Reaktion Mallorys angesichts des Todes ihres Vaters und des Abschieds von ihrem Sohn.

Für den verhinderten Wolfgang Hinze spielte Gerd Rigauer Mallorys Vater Edmund mit viel Nonchalance und gentlemanlike. In der Vater-Tochter-Konstellation warf sich das Duo Körner-Rigauer die Bälle zu und tobte sich genüsslich in Machtkämpfen aus.

Ottokar Lehrner als Mallorys Sohn Christian brillierte als menschlicher Puffer zwischen den Extremen mit einer ganzen Menge trockenen Humors. Nic Aklin genoss seine Rolle als Mallorys jugendlicher Liebhaber mit viel Gefühl für Showeffekte. Alice Slade, Edmunds Pflegerin, verkörperte mit mädchenhaftem Charme Körners Tochter Jenny-Joy Kreindl. Dazu kamen eine straffe Inszenierung, perfekt sitzende Pointen und ein ansprechendes Bühnenbild. Insgesamt ein gelungener Abend.

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