Kempten
Letzten Willen erfüllen

Im Fall einer schweren Krankheit nicht mehr über das eigene Wohl entscheiden zu können, ist für viele eine schreckliche Vorstellung. Um dem zu entgehen, schreiben zahlreiche Menschen eine Patientenverfügung. Dadurch wollen Betroffene dem eigenen Willen entsprechend behandelt werden, auch wenn sie sich selbst nicht mehr äußern können. Ebenso können sie Behandlungsmethoden ausschließen. Seit Anfang des Monats sind die Verfügungen gesetzlich verbindlich. Mediziner und Rechtsanwälte begrüßen die neue Rechtslage.

«Das bringt Rechtssicherheit, was für den Arzt wichtig ist», meint Dr. Thomas Lorentz, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbandes Kempten. Die Möglichkeit, das Leben eines Menschen zu verlängern, gebe es oft. Früher sei es aus rechtlicher Sicht theoretisch unterlassene Hilfeleistung gewesen, dies nicht zu tun. «Jetzt ist die Patientenverfügung eine verbindliche Entscheidungshilfe für den Arzt, wenn der Patient nicht mehr ansprechbar ist», erläutert Lorentz.

Laut Rechtsanwalt Oliver Ahegger soll die Verfügung idealerweise schriftlich von einer volljährigen Person angefertigt und eigenhändig unterschrieben werden. Zudem müsse man einwilligungsfähig, also geistig voll zurechnungsfähig sein. «Wichtig ist außerdem, dass die Verfügung auch gefunden wird», betont Ahegger. Durch einen Hinweis im Geldbeutel könne dies sichergestellt werden.

Dass die Verfügung so konkret wie möglich sein soll, hebt Professor Dr. Volker Hiemeyer hervor. Er ist der Vorsitzende des Hospizvereins Kempten-Oberallgäu. «Es sollte nicht nur drinstehen: Ich möchte nicht künstlich ernährt werden», sagt er. Besser wäre, bestimmte Fälle zu beschreiben. Etwa, dass man bei einer Krebserkrankung, bei der man sich nicht mehr selbst äußern kann, nicht auf künstlichem Weg ernährt werden will. Der Hospizverein klärt laut Hiemeyer auch gerne über Patientenverfügungen auf. «Die Hospizbewegung tut alles, um den Willen des Patienten zu berücksichtigen», sagt er weiter.

Laut Professor Dr. Mathias Haller, Chefarzt der Anästhesie am Klinikum, hat sich mit dem neuen Gesetz nichts grundlegendes geändert: «Das Selbstbestimmungsrecht des Menschen galt ja vorher auch schon.» Er sieht den größten Vorteil darin, dass das Thema jetzt wieder stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gelangt ist. Dadurch würden hoffentlich mehr Menschen konkretere Verfügungen schreiben. «Wir Ärzte sind ja um jede Hilfe dankbar, die ein Patient uns gibt, um seinen Willen zu erkennen.» Wichtig sei außerdem, dass die Verfügung unter kompetenter Beratung geschrieben wird.

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