Weitnau
Letzte Ruhestätte in der Natur

Vom ersten Schnee weiß überzuckert präsentiert sich die Himmelswiese, eine Waldlichtung oberhalb von Weitnau-Eisenbolz (Oberallgäu). Buntes Herbstlaub fällt von den umliegenden Bäumen. Hier, unter dem Höhenzug des Hauchenbergs, soll im Mai kommenden Jahres der erste Trauerwald Schwabens in Betrieb gehen. Bisher gibt es im Freistaat erst zwei vergleichbare Naturfriedhöfe - beide im Bayerischen Wald.

Anders als auf einem konventionellen Friedhof, werden im Trauerwald nur Urnen aus einem verrottbaren Material, beispielsweise aus Maisstärke, beigesetzt. Die Grabstätten gruppieren sich zumeist rund um Bäume, deshalb wird häufig auch von Baumgräbern gesprochen. Kleine Namensschilder erinnern an die Toten, doch auch eine anonyme Bestattung der Urnen ist hier möglich. Im Trauerwald soll die Natur sich weitgehend selbst überlassen bleiben - deshalb gibt es hier auch keine Kerzen, keine anderen Blumen als die standortgerechten Pflanzen. Auch keine Grabsteine aus Marmor, aber vielleicht eine kleines Kunstwerk aus heimischem Holz.

Die Initiative für den Trauerwald ging von der Alt-Katholischen Gemeinde in Kempten aus, die sich nach Ansicht von Pfarrer Michael Edenhofer eigentlich besser als «reformkatholische Kirche» bezeichnen sollte. Denn die Alt-Katholiken, die den Papst nicht anerkennen, gelten in allen Bereichen als liberaler als die Römisch-Katholische Kirche. So dürfen Priester heiraten und auch Frauen können sich weihen lassen.

Über drei Hektar groß

Laut dem Kirchenvorstandsvorsitzenden der Kemptener Altkatholiken, Hans Bauer, ist die Kirchengemeinde im Besitz des 3,16 Hektar großen Waldes, der jetzt zum öffentlichen Trauerwald für Menschen aller Konfessionen und Weltanschauungen werden soll. Geerbt hatten die Kemptener Altkatholiken den Wald vom früheren Kemptener Oberbürgermeister Otto Merkt (1877-1951).

Eine Beisetzung mit oder ohne einen Geistlichen sei im Trauerwald möglich, so Bauer. Während die Alt-Katholische Gemeinde die Trägerschaft für den Trauerwald übernimmt, wird er von Anton Aschenbrenner und Manuel Kasberger betrieben - sie unterhalten auch die beiden Naturfriedhöfe im Bayerischen Wald. Gepflegt werden soll der Wald von Bewohnern des Hauses «Lichtblick» in Kempten, die psychische und soziale Schwierigkeiten haben. Generell ist die Beisetzung im Trauerwald wesentlich kostengünstiger als die auf einem konventionellen Friedhof.

«Familienbaum»

Eine Urnen-Grabstätte wird es in Weitnau ab etwa 350 Euro geben, hinzu kommen 150 bis 250 Euro für das Graben. Es wird auch möglich sein, sich bei Lebzeiten beispielsweise einen bestimmten «Familienbaum» mit vier Plätzen zu reservieren. Kosten beispielsweise für einem 70 Zentimeter starken Baum: 1350 Euro. Zudem brauchen sich die Angehörigen, die oft weit weg von der letzten Ruhestätte eines Toten leben, sich nicht um eine aufwendige Grabpflege zu kümmern.

Doch den Alt-Katholiken geht es nicht in erster Linie ums Geld. Vielmehr wolle man den Menschen auch zu Lebzeiten schon die Möglichkeit geben, sich mit dem Tod auseinander zu setzen, schildert Pfarrer Edenhofer - zum Beispiel bei einem Gang durch den Trauerwald. Zudem, meint Maria Diel vom Kirchenvorstand, sei «die Natur für viele Menschen der beste Trauerbegleiter».

«Eine interessante Sache» nennt Weitnaus Bürgermeister Alexander Streicher die Pläne für den Natur-Friedhof. Er sei froh über diese Privatinitiative.

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen