Lymphdrüsenkrebs
Lenas langer Leidensweg

Mit Mama durch die Geschäfte bummeln und die vielen bunten Sachen bewundern. Zum ersten Mal mit den Schulkameraden zusammen im Klassenzimmer sitzen. Die Freundin in der Nachbarschaft besuchen. Der Wunschzettel von Lena Michl ist lang - und ungewöhnlich. Im März hat die Lindenberger Familie erfahren, dass die Sechsjährige Lymphdrüsenkrebs hat und seitdem hat sich vieles verändert.

Mutter Carmen (40) und Papa Jürgen (44) erinnern sich noch genau an die Diagnose. Am 7. März entdeckten Oma und Opa eine Schwellung an Lenas Hals. Die Sechsjährige und ihre Schwester Marina (8) waren über Nacht bei den Großeltern, während die Eltern auf das Lindenberger Bockbierfest gingen. Nach mehreren Arztbesuchen an den folgenden zwei Tagen landet die Familie schließlich am 9. März in der Haunerschen Kinderklinik in München.

<< Die Couch dort werden wir nie vergessen. Man hatte uns zwar gesagt, wir müssen in die Onkologie. Aber das ging alles so schnell, dass wir gar nicht realisieren konnten, was das bedeutet >>, erzählt Jürgen Michl und Mama Carmen ergänzt: << Lena hatte vorher keinerlei andere Symptome. Sie war nicht kränklich, nicht blass und nicht müde. >>

Gewebeprobe bestätigt Verdacht

Nach einer Gewebeprobe bestätigt sich der Verdacht: Lena hat eine aggressive Form von Lymphdrüsenkrebs (Non-Hodgkin-Lymphom). Bereits drei Tage nach der Einlieferung bekommt sie die erste Chemotherapie. Der Sechsjährigen wird ein sogenannter << Hicki >> (Hickman-Katheter) gelegt, über den seit neun Monaten alle Medikamente zugeführt werden. Durch das Cortison ist Lenas Gesicht aufgeschwemmt. Die früher fast hüftlangen Haare werden erst abgeschnitten, dann fallen sie aus. << Da hat mein Herz geblutet >>, erzählt Carmen Michl, << auf einmal war alles so real. >>

Aus dem Haus im Lindenberger Neubaugebiet muss die Familie alle Pflanzen entfernen. Überall sind Desinfektionsmittel. Essen aufwärmen ist tabu. Auch für die große Schwester ändert sich in dieser Zeit viel. << Sie musste das ganze Jahr über viel zurückstecken und hat dies aber super gemacht. Oft ist sie mit mir am Wochenende nach München gefahren, obwohl es mit Sicherheit daheim schöner gewesen wäre >>, berichtet Jürgen Michl.

<< Wir versuchen, so normal wie möglich mit der Situation umzugehen >>, erklärt das Ehepaar Michl. Die Klinik, die mittlerweile zum zweiten Zuhause geworden ist, lege Wert darauf, dass die Kinder viel im häuslichen Umfeld sind.

Unzählige Male pendeln Mama Carmen und Lena, zum Teil nachts mit dem Taxi, in die Landeshauptstadt, beispielsweise weil die Temperatur auf 38,5 Grad gestiegen ist oder die Blutwerte nicht stimmen. Lena lässt zahlreiche Rücken- und Knochenmarkpunktionen über sich ergehen.

Auf viel Verständnis treffen die Michls in ihrem Umfeld. Verwandte, Freunde und Bekannte überraschen die Familie immer wieder mit Aktionen. So ist es beispielsweise möglich, dass die Vier im Sommer eine Woche in Inzell in einem speziellen Erholungswerk, das zur Klinik gehört, Urlaub machen können.

Ein paar Tage Verspätung

Den ersten Schultag erlebt Lena nicht an der Comenius-Grundschule wie ihre Klassenkameraden, sondern mit ein paar Tagen Verspätung in der Klinik in München. Damit sie den Anschluss nicht verliert, bekommt sie sowohl zu Hause als auch im Krankenhaus Privatunterricht - und wenn alles gut geht, darf sie nach den Weihnachtsferien zum ersten Mal richtig in die Schule gehen.

Derzeit läuft nämlich die letzte Chemotherapie, und wenn die Blutwerte stimmen, wird der Katheter in ein paar Wochen bei einer << Hicki-Party >> entfernt. Ganz abgeschlossen ist die Behandlung dann allerdings noch nicht. Zwei Jahre lang muss Lena Tabletten schlucken, alle zwei Wochen zum Blutabnehmen und alle drei Monate zur Knochenmarkpunktion. Aber die Familie ist zuversichtlich, dass sie auch das übersteht.

Lena hat übrigens auch noch einen ganz normalen Wunsch: Sie möchte ein Playmobil-Puppenhaus. Das Christkind hat den Zettel bereits abgeholt. Das Auspacken der Geschenke unter dem Weihnachtsbaum hat in diesem Jahr bei Familie Michl eine ganz besondere Bedeutung.

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