Buchloe / Ostallgäu
Lehrstellenmarkt trotzt der Krise

Trotz Wirtschaftsflaute und ökonomischer Zwänge: An der Ausbildung sparen die meisten Betriebe nicht. Acht junge Leute haben Anfang September bei den Buchloer Karwendel-Werken ihre Ausbildung begonnen. Im Vergleich zum Vorjahr sind das sogar zwei mehr. In vier verschiedenen Berufen bildet das Unternehmen aus: Industriekaufmann, Mechatroniker, Molkereifachmann und Milchwirtschaftlicher Laborant. «Die Firma Karwendel bildet nur so viele aus wie auch übernommen werden können, da wir die Übernahmegarantie von einem Jahr haben», berichtet Personalreferentin Stefanie Fischer. «Von der schwierigen Wirtschaftslage spüren wir in der Nahrungsmittelindustrie nichts.» So war das Unternehmen auch nicht von Kurzarbeit betroffen.

Von einer «Ausbildungsklemme» kann in anderen Betrieben ebenfalls keine Rede sein. Das neue Lehrjahr im Handwerk startet nach Kammerangaben mit einer «zufriedenstellenden Zahl» an eingetragenen Verträgen. «Das Niveau des Vorjahres konnte zwar zum Stichtag nicht erreicht werden», so Anette Göllner, Ausbildungsexpertin bei der Handwerkskammer für Schwaben. «Die verbesserte Auftragslage lässt jedoch vermuten, dass sich einige Betriebe kurzfristig entscheiden, doch noch auszubilden.» Sie erwartet in diesem Fall ein ähnliches Ergebnis wie 2008. Insgesamt gebe es sicher nicht weniger Ausbildungsstellen als in den Vorjahren, ist auch Kreishandwerksmeister Robert Klauer überzeugt.

Etliche neue Vertragsabschlüsse

Ähnlich sieht es bei den IHK-Berufen aus. Um den Forderungen des «Ausbildungspaktes» nachzukommen, seien in den vergangenen drei Jahren jeweils zehn Prozent neue Vertragsabschlüsse hinzugekommen, so Gerhard Schlichtherle, Vorsitzender der IHK-Regionalversammlung Kaufbeuren-Ostallgäu. Derzeit befinde man sich noch leicht unter dem Niveau von 2008. «Aber die Runde ist noch nicht zu Ende», so Schlichtherle. «Die Zahlen vom vergangenen Jahr wollen wir wieder erreichen.» Zudem hat die IHK angesichts sinkender Schulabgängerzahlen bereits einen Bewerberrückgang registriert, was laut Kammer die «individuelle Erfolgsaussicht» nochmals deutlich erhöht.

Dass junge, geeignete Leute auch nach dem offiziellen Ausbildungsstart am 1. September gute Chancen haben, eine Lehrstelle zu bekommen, bestätigt der Kaufbeurer Arbeitsagenturleiter Gerhard Funke. Die demografische Entwicklung helfe den jungen Menschen, so Kreishandwerksmeister Robert Klauer. «Wie schon im vergangenen Jahr sorgen die Betriebe jetzt schon für ihre Fachkräfte von morgen, wenn die Schülerzahlen noch weiter sinken.» Der Wettbewerb um geeignete Jugendliche sei voll im Gang. Doch nicht immer ist es der Traumberuf, mit dem die Karriere beginnt. Manchmal müsse es eben der zweit- oder drittgrößte Berufswunsch sein, so Klauer, oder es sei Mobilität gefragt.

Die IHK rät allen Ausbildungsplatzsuchenden, bei der Bewerbung auf die persönliche Note zu achten. Betriebe könnten es sich kaum mehr leisten, geeignete Bewerber mit ausreichenden «Basisqualifikationen» abzulehnen. «Das Thema Fachkräftesicherung wird uns bei wieder anziehender Konjunktur umso stärker einholen», ist Schlichtherle überzeugt. «Die geburtenschwachen Jahrgänge kommen erst noch.»

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