Kaufbeuren / Denklingen
Lehrlinge suchen eine neue berufliche Heimat

Jetzt bekommen auch die Lehrlinge der Firma Schuster Präzision Werkzeug-Maschinenbau die Härte des Insolvenzverfahrens zu spüren. Für etliche Auszubildende des Unternehmens mit Stammsitz in Denklingen und einem Werk in Kaufbeuren suchen die Arbeitsagenturen Kaufbeuren und Weilheim nach neuen Arbeitgebern, bei denen sie ihre Lehren als Elektroniker und Industriemechaniker fortsetzen können.

Schuster Präzision mit einst rund 160 Mitarbeitern galt als einer der größten Ausbilder in der Region Landsberg, bis das Unternehmen vor Monaten in Schwierigkeiten geriet. Für einen großen Teil der fast 30 Lehrlinge wollte Insolvenzverwalter Christian Plail in Zusammenarbeit mit den Wirtschaftskammern und Berufsverbänden Lösungen suchen. «Damals hieß es, dass alle Auszubildenden ihre Lehren beenden können, wo auch immer», sagte gestern ein Mitarbeiter. Aus der Belegschaft, für die es bei Schuster Präzision weder einen Betriebsrat noch einen Sozialplan während des Insolvenzverfahrens gibt, wird nun Kritik laut. «Da hätte man schneller tätig werden müssen», meint ein Mitarbeiter, «das hätte alles viel koordinierter laufen müssen.»

Verzweifelte Reaktionen

Vergangene Woche sollen die betroffenen 13 Azubis bei einer Betriebsversammlung erfahren haben, dass es für sie im Unternehmen keine Perspektive mehr gibt. Berichtet wird von teilweise verzweifelten Reaktionen der Lehrlinge oder ihrer Eltern. Insolvenzverwalter Christian Plail sagte gestern gegenüber der AZ lediglich, dass für die Lehrlinge weiterhin mit Nachdruck nach neuen Arbeitgebern gesucht werde. Die Vorgehensweise bei der kurzfristigen Freistellung und späteren Entlassung von 55 Mitarbeitern vor einigen Wochen hatte bereits für Unruhe in der Belegschaft und der Gewerkschaft gesorgt (wir berichteten).

Die Vermittlung der jungen Leute sei eine große Herausforderung, so der Kaufbeurer Berufsberater Martin Guggenmos. «Wichtig ist, dass die Auszubildenden selbst aktiv werden.» Die Unternehmen erwarteten komplette Bewerbungsunterlagen; die Arbeitsagentur könne den Betroffenen dieses Prozedere nicht abnehmen. Für Firmen könne sich die Übernahme eines Schuster-Lehrlings aber durchaus lohnen (Info-Telefon 01801/664466). Guggenmos verweist auf das hohe Ausbildungsniveau. Zudem habe der Gesetzgeber einen sogenannten Ausbildungsbonus für die Übernahme von Lehrlingen aus Insolvenzbetrieben eingeführt.

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