Kempten
Lebendige Interpretationen

«Das Werk ist absolut für jedermann sofort verständlich. Es wird sanft wie Rizinusöl dem verehrungswürdigen Publikum eingehen - und Freude wird in allen konservativ-verfluchten Herzen wohnen.» So urteilt der für seinen sarkastischen Humor berüchtigte Max Reger (1873 - 1916) über seine Romantische Suite, die im Rahmen des zweiten Meisterkonzerts im Theater in Kempten (TiK) aufgeführt wurde.

Reger distanziert sich damit - obwohl in seinen symphonischen Werken eingesetzt - von der sogenannten Programmmusik, wie Dr. Franz Tröger in seiner informativen Ein-führung vor dem Konzert darlegte. Es stellt sich die prinzipielle Frage, inwieweit Musik «Programm» beinhalten darf oder ob sie «absolut» sein muss. «Sofort verständlich» war das Werk dank der lebendigen Darstellung der drei Sätze durch die Smetana Philharmonie Prag unter ihrem Chefdirigenten Hans Richter. Basierend auf Gedichten von Eichendorff ließen sich die verschiedenen dargestellten Affekte in der typischen Klangsprache Regers zwischen Spätromantik und Moderne gut nachvollziehen.

Unmittelbar als Programm-Musik erklang anfangs Felix Mendelssohn Bartholdys (1809 - 1847) Ouvertüre zum Sommernachtstraum, mit dem sich die Musiker im wahrsten Sinn des Wortes warm spielten. Aufgrund von Nervosität, bedingt durch die verspätete Anfahrt, kam es offenbar zu Ungenauigkeiten bei Synchronität sowie Intonation.

Unbekannter Strauß

Davon war dann beim eigentlichen Hauptstück des Abends allerdings nichts mehr zu spüren. Präzise folgten die vorwiegend jungen Musiker ihrem Dirigenten, begleiteten einfühlsam die souveräne Schweizer Geigerin Simone Zgraggen.

Das völlig unbekannte Violinkonzert in d-Moll von Richard Strauß (1864 - 1949), der Komponist der «Alpensinfonie», des «Zarathustra» oder des «Rosenkavalier», hat dieses Werk als 17-Jähriger während des Unterrichts in sein Mathematikheft komponiert.

Weit weg vom späteren Kompositionsstil findet man Anklänge an Schumann, Bruch oder Brahms. Die Interpretation mit exzellenter Technik und starker, überzeugender musikalischer Ausdruckskraft ließ den Wunsch aufkommen, es häufiger zu hören - ebenso wie die Solistin.

Enthusiastisches Publikum

Ein sehr gelungenes Konzert mit einem Bogen von der frühen Spätromantik zur gemäßigten Moderne, noch dazu von zwei bayerischen Komponisten. Mit dem 3. Satz der Prager-Sinfonie von Mozart verabschiedeten sich die Prager Musiker vom enthusiastischen Publikum.

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